San Jose. Die populäre Videoplattform Zoom hat laut einem Medienbericht das Konto einer Gruppe chinesischer Menschenrechtsaktivisten in den USA geschlossen. Diese hatte zuvor in einer Videokonferenz eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in China abgehalten. Wie die US-Webseite "Axios" am Donnerstag berichtete, verwies Zoom darauf, dass es sich "an örtliche Gesetze halten" müsse, ohne dabei China direkt zu nennen. Das betroffene Konto sei inzwischen aber wieder reaktiviert worden.

Das Gedenken hatte der damalige Studentenführer Zhou Fengsuo, Gründer der in den USA ansässigen Organisation Humanitarian China, am 30. Mai über ein bezahltes Zoom-Konto organisiert. Rund 250 Personen hatten teilgenommen. Am 7. Juni wurde sein Konto geschlossen. Ein weiteres Zoom-Konto des prodemokratischen Hongkonger Politikers Lee Cheuk Yan konnte ebenfalls nicht mehr benutzt werden. "Wir sind empört über das Vorgehen von Zoom", sagte Zhou Fengsuo.

Konto jetzt wieder aktiv

Mit der Zunahme der Videokonferenzen durch die Coronavirus-Pandemie ist die Zahl der Zoom-Nutzer weltweit von 10 auf 300 Millionen emporgeschnellt. Dadurch stieg auch der Wert der Aktien des Unternehmens auf mehr als 40 Milliarden US-Dollar an. Zentrales Produkt des Unternehmens ist "Zoom Meetings", ein Dienst, mit dem Nutzer über eine Desktop- oder Smartphone-App, über eine Weboberfläche, per Telefon oder über ein Konferenzraum-System an Online-Videokonferenzen teilnehmen können.

Internet-Experten äußerten aber Bedenken über Zoom. Ein großer Teil seiner Produktentwicklung findet in China statt. Taiwan erlaubt seinen Beamten keine Zoom-Konferenzen. Das Unternehmen teilte "Axios" mit, es müsse sich wie jedes andere globale Unternehmen an die Gesetze in den jeweiligen Gerichtsbarkeiten halten, wo es operiere. "Wenn ein Treffen über verschiedene Länder stattfindet, müssen sich die Teilnehmer in diesen Ländern an die betreffenden örtlichen Gesetze halten." Zoom bemühe sich, seine Maßnahmen zu begrenzen, die notwendig seien, um lokale Gesetze zu befolgen. "Wir haben das in den USA basierte Konto wieder aktiviert."(apa/dpa)