Bei einem Zwischenfall an der indisch-chinesischen Grenze sind nach Angaben der indischen Armee bisher zwanzig indische Soldaten getötet worden. Am Montagabend sei es an einem umstrittenen Grenzabschnitt in der nordwestindischen Region Ladakh zu einer "gewaltsamen Auseinandersetzung" mit Opfern auf beiden Seiten gekommen, erklärte am Dienstag ein Armeesprecher in Neu Delhi.

Ranghohe Militärvertreter der beiden Nachbarländer würden sich am Dienstag treffen, um die Situation zu entschärfen, hieß es. China machte die indischen Soldaten für den Zusammenstoß verantwortlich.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, sagte vor Journalisten in Peking, indische Truppen hätten am Montag zwei Mal die Grenze übertreten und chinesische Soldaten "provoziert und angegriffen". Daraufhin sei es zu einer "schweren körperlichen Auseinandersetzung" gekommen.

An der 3500 Kilometer langen Grenze zwischen Indien und China, deren genauer Verlauf an einigen Stellen umstritten ist, hatten die Spannungen zuletzt zugenommen. Im Mai wurden mehrere indische und chinesische Soldaten bei einem Zusammenstoß durch Faustschläge und Steinwürfe im indischen Bundesstaat Sikkim verletzt. Daraufhin überschritten nach indischen Angaben chinesische Soldaten die Demarkationslinie in der weiter westlich gelegenen Region Ladakh. Als Reaktion verlegten beide Seiten tausende Soldaten an die Grenze.

Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen chinesischen und indischen Soldaten im Grenzgebiet haben in den vergangenen Jahren zugenommen. 2017 war es in der Nähe von Ladakh zu einer Schlägerei zwischen chinesischen und indischen Soldaten gekommen. Im selben Jahr standen sich Soldaten beider Länder in Bhutans Doklam-Region gegenüber, nachdem die indische Armee Truppen entsandt hatte, um China am Bau einer Straße zu hindern.

Peking beansprucht etwa 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets, das sich unter der Kontrolle Neu Delhis befindet.

Wegen den verstärkten Spannungen zwischen den beiden Nuklearmächten mit den größten Bevölkerungen der Welt hatten sich deshalb schon ranghohe Militärs beider Seiten getroffen. Bei jüngsten Zwischenfällen zwischen Truppen beider Seiten hatte es mehrere Verletzte gegeben.

Unklarer Grenzverlauf

China und Indien hatten 1962 einen kurzen Krieg um ihre Grenze im Himalaya geführt, den China gewann. Seither gibt es immer wieder Zwischenfälle. Der Grenzverlauf ist nach wie vor nicht geklärt. Auch US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich angeboten, in dem Konflikt zu vermitteln, was die Nachbarländer nicht wollten. (apa, afp, dpa)