In rund vier Monaten ist es so weit: Am 3. November stimmen die US-Amerikaner über die nächste Präsidentschaft ab. Eigentlich hat Amtsinhaber Donald Trump im Vorfeld alles versucht, um seine zweite Amtszeit so gut, wie es geht, in die sprichwörtlichen "trockenen Tücher" zu bringen. Mit dem Mauerbau zu Mexiko hätte dem Sicherheitsbedürfnis der US-Amerikaner Genüge getan werden sollen. Nach den Steuererleichterungen für die Wirtschaft hätte die Konjunktur brummen sollen. Und mit den Muskelspielen gegenüber Nato-Partnern hätte der Nationalstolz befriedigt werden sollen.

Doch dann kam alles anders. Die Corona-Krise machte die Wirtschaftserleichterungen mehr als zunichte. Das Sicherheitsbedürfnis der Amerikaner hat sich gedreht: Nicht die Zuwanderung aus Lateinamerika wird momentan als Problem wahr genommen, sondern vielmehr die Polizeigewalt im eigenen Land. Denn vor einem Monat, am 25. Mai, kam der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz ums Leben. Seitdem nehmen die Demonstrationen für eine andere Polizei und eine andere Art der Staatsführung in den USA nicht ab. Dafür hat Trump gedroht, das Militär gegen die Proteste einzusetzen.

Und die Tatsache, dass Trump nun auch US-amerikanische Truppen aus Deutschland abziehen will, stößt nun sämtlichen Militärs und Diplomaten sauer auf - gelten die Soldaten in Deutschland für viele als Bollwerk gegen einen russischen Vormarsch.

Abtrünnige Republikaner

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wird derzeit an einer Liste von vielen republikanischen Sicherheitsberatern gearbeitet, die sich offiziell für den demokratischen Herausforderer Joe Biden aussprechen werden. Es seien bereits zwei Dutzend republikanische Berater, die unter Trumps Vorgängern Ronald Reagan, George Bush und George W. Bush gedient hatten. Diese Zahl wird aber noch ansteigen, viele sind bereits in weiteren Gesprächen. Diese Republikaner werden für Biden Stimmung unter den konservativ eingestellten Amerikanern machen: Biden sei die bessere Wahl, auch wenn es politische Differenzen gebe. Aber weitere vier Jahre Trump würden die nationale Sicherheit gefährden.

Die Initiative wird mit John Bellinger III und Ken Wainstein von Personen geführt, die schon 2016 versucht haben, im konservativen Lager Stimmung gegen Trump zu machen. Damals ohne Erfolg, aber inzwischen hat sich das Blatt, nach vier Jahren Trump, vielleicht gewendet. "Trump verbrüdert sich mit Diktatoren. Er ist eine echte Gefahr", zitiert Reuters aus der Gruppe der Abtrünnigen.

Eine weitere Allianz von Anti-Trump-Republikanern, das Lincoln Projekt, schaltet in den Swing States schon länger Anti-Trump-Werbung.

Einer aktuellen Umfrage zufolge befürworten nur noch 37 Prozent der Amerikaner Trumps Umgang mit dem Coronavirus. Das ist die niedrigste Zahl seit Beginn der Umfragen von Reuters/Ipsos Anfang März. Die Corona-Fälle in den USA - derzeit mehr als 2,4 Millionen Infizierte - sind stetig am Steigen, auch wenn das Land zunehmend Lockerungen vornimmt. Mehr als 120.000 Amerikaner sind bereits an dem Virus gestorben. Dafür erklärte Trump zuletzt, man werde das Testen verlangsamen, damit die Fälle nicht ansteigen.

Einer Umfrage unter registrierten Wählern zufolge führt derzeit Joe Biden mit einem Vorsprung von zehn Prozentpunkten vor Trump.

Gegenwind wächst auch in der eigenen Familie: Ein weiteres Buch steht vor der Veröffentlichung, eine weitere einstweilige Verfügung (wie gegen das Werk von John Bolton) ist anhängig. Das Buch "Too Much and Never Enough: How My Family Created the World’s Most Dangerous Man" ("Zu viel und doch nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf") von Mary Trump, einer Nichte des Präsidenten, soll am 28. Juli erscheinen. Laut dem Verlag Simon & Schuster beschreibt die 55-jährige Psychologin "einen Albtraum von Traumata, zerstörerischen Beziehungen und eine tragische Kombination von Vernachlässigung und Missbrauch".