Als einzige Region in Russland hat der Autonome Kreis der Nenzen im Nordwesten des Riesenreichs die von Staatschef Wladimir Putin initiierte Verfassungsänderung abgelehnt. Dort stimmten bei der Volksbefragung rund 55,3 Prozent der Wähler gegen das neue Grundgesetz, das Putin den Weg für weitere Amtszeiten bis 2036 freimacht.

43,8 Prozent der Wähler hätten mit Ja votiert, teilte die russische Wahlkommission am Donnerstag mit. Die Nenzen sind ein indigenes Volk mit mehr als 40.000 Menschen im Nordwesten Sibiriens.

In allen anderen Teilen des Landes gab es breite Zustimmung für die historische Verfassungsänderung, teils sogar fast 100 Prozent wie etwa in der Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus, wo knapp 98 Prozent der Wähler für Putins Verfassung gestimmt haben sollen.

Kein Kommentar

"Wir kommentieren die Ergebnisse der Abstimmung nicht, sondern stellen sie nur fest", sagte Wahlleiterin Ella Pamfilowa. Mit Blick auf die Ablehnung im Kreis der Nenzen meinte sie: "Die Ergebnisse zeugen von der Wahrhaftigkeit des Auszählungsprozesses." Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte der Staatsagentur TASS zufolge, dass es dort wohl regionale Gründe geben müsse für das mehrheitliche Nein.

Landesweit stimmten 77,9 Prozent der Wähler für das neue Grundgesetz. Mit Nein votierten 21,27 Prozent. Die Wahlbeteiligung wurde mit 67,97 Prozent angegeben. Demnach stimmten für die Verfassungsänderung insgesamt 57,7 Millionen Menschen. Das entsprach einem Anteil von 52,95 Prozent an den Wahlberechtigten.

Unter diesem Durchschnitt lag etwa die russische Hauptstadt. In Moskau erreichte die Zustimmung nach Angaben der Wahlkommission rund 65,3 Prozent, die Ablehnung rund 34 Prozent. Die Wahlbeteiligung in der Hauptstadt wurde mit rund 55 Prozent angegeben.

23 Mllionen haben abgestimmt

Außerhalb der üblichen Wahllokale stimmten den offiziellen Angaben zufolge mehr als 23 Millionen Menschen ab. Das seien es rund 30 Prozent der Wähler gewesen, hieß es. Abgestimmt wurde auch unter freiem Himmel etwa auf Höfen und Parkbänken oder sogar im Kofferraum von Autos. Wahlleiterin Pamfilowa wies Vorwürfe zurück, dass es Verstöße gegen das Wahlrecht gegeben habe. Unabhängige Beobachter listeten Hunderte solcher Vergehen auf. (apa, dpa)