In Sichtweite zu chinesischen Kriegsschiffen haben zwei US-Flugzeugträger am Montag Manöver im Südchinesischen Meer absolviert. "Sie haben uns gesehen, und wir haben sie gesehen", sagte der Kommandant des Flugzeugträger "Nimitz", Admiral James Kirk, in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die gemeinsamen Übungen mit dem Flugzeugträger "Ronald Reagan" und den auf den Kriegsschiffen stationierten Kampfjets hatten am 4. Juli begonnen, dem US-Unabhängigkeitstag. Die US-Marine hatte schon in der Vergangenheit Träger in die Region verlegt, um dort ihre Macht zu demonstrieren. Die Manöver dieses Jahr fallen allerdings in eine Zeit erhöhter Spannungen zwischen den USA und China wegen der Corona-Pandemie.

Es habe keine Zwischenfälle im Kontakt mit den chinesischen Kriegsschiffen gegeben, sagte Kirk. Die USA werfen China vor, die Krise auszunutzen, um seine international umstrittenen territorialen Ansprüche auf das Südchinesische Meer und andere Seegebiete zu festigen. China dagegen bezeichnet die US-Übungen als Machtdemonstration, die dazu diene, einen Keil zwischen die Länder der Region zu treiben

Die beiden US-Trägergruppen haben eine Besatzung von insgesamt rund 12.000 Soldaten. Auf den Trägern sind jeweils rund 90 Jets stationiert. Das US-Verteidigungsministerium hat erklärt, die Manöver sendeten ein Zeichen der Entschlossenheit, das internationale Recht der freien Schiff- und Luftfahrt durchzusetzen.

Kritik aus China

China hat die Entsendung von zwei Flugzeugträgern der USA zu Manövern in das umstrittene Südchinesische Meer scharf kritisiert. Außenamtssprecher Zhao Lijian sprach am Montag vor der Presse in Peking von einer "Machtdemonstration mit Hintergedanken". Es sei eine Provokation durch die USA und untergrabe Frieden und Stabilität in dem Seegebiet.

Auch fördere das Vorgehen die Militarisierung des Südchinesischen Meeres. Die chinesischen Manöver um die Paracel-Inseln hingegen seien nicht zu beanstanden, weil die Inselgruppe zu China gehöre, sagte der Sprecher. Obwohl die Inseln auch von Vietnam und Taiwan beansprucht werden, gab Zhao Lijian vor, dass es keinen Streit darum gebe. Kritik der USA an Chinas Manövern "ignoriert völlig die Fakten".

China beansprucht 90 Prozent des rohstoffreichen Südchinesischen Meers, über dessen Seewege jedes Jahr ein Handelsvolumen von etwa drei Billionen Dollar abgewickelt wird, für sich. Das Land hat auf Atollen künstliche Inseln als Stützpunkte errichtet, bezeichnet seine Absichten aber als friedlich. Brunei, Malaysia, die Philippinen, Taiwan und Vietnam erheben dagegen eigene Ansprüche auf Teile des Seegebiets.  (reuters)