Riad/Sanaa. Die Corona-Krise sorgte im jemenitischen Bürgerkrieg für eine kurze Verschnaufpause. Nach einem Waffenstillstand im April sind die Kämpfe zwischen Houthi-Rebellen und einer arabischen Militärkoalition wieder voll im Gange.

Ein Krieg, der am Boden, in der Luft und zu Wasser geführt wird. Die Koalition, die die Regierung unterstützt, hat zuletzt mehrere mit Sprengstoff beladene Schiffe der Rebellen angegriffen. Die Boote seien nahe der umkämpften Provinz Hudaida unterwegs gewesen, hieß es. Sie seien für "terroristische Angriffe" im Roten Meer und im Bab al-Mandab im Einsatz gewesen. Eine Meerenge, die zu den weltweit wichtigsten Schifffahrtsstrecken zählt.

Die schiitischen Houthis kontrollieren seit Jahren große Gebiete des Jemens, darunter die Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen engen Verbündeten seines Erzfeindes Iran. Saudische Kampfjets fliegen regelmäßig Angriffe im Jemen, bei denen auch Zivilisten sterben. Die Houthis wiederum greifen mit Raketen und Drohnen Ziele im benachbarten Saudi-Arabien an. Ende Juni gab es derartige Angriffe gegen die Hauptstadt Riad. Bei den Zielen soll es sich um das saudische Verteidigungsministerium und einen nicht näher bestimmten Militärstützpunkt gehandelt haben. Augenzeugen berichten von lauten Explosionen und Rauchwolken.

In dem Konflikt sind bereits zehntausende Menschen gestorben, zumeist Zivilisten. Jetzt hat Großbritannien wieder begonnnen, Waffen nach Saudi-Arabien zu liefern, nachdem diese Ausfuhren zuvor aus humanitären Überlegungen gestoppt worden waren. In Deutschland gilt ein Rüstungsexportstopp für Saudi-Arabien.

Hilfsorganisationen schlagen Alarm

Zuletzt hat Unicef Alarm geschlagen: Wegen fehlender Hilfsgelder sind im Jemen immer mehr Kinder vom Hungertod bedroht. In den kommenden sechs Monaten könnten dort weitere 30.000 Minderjährige von lebensbedrohlicher akuter Mangelernährung betroffen sein. Die Zahl hungernder Kinder unter fünf Jahren könnte auf insgesamt 2,4 Millionen steigen, so Unicef.

Österreich hat für den Jemen eine Million Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds bereit gestellt. Die Abwicklung der Hilfe erfolgt über die Austrian Development Agency (ADA). (red)