In der russischen Stadt Chabarowsk haben am Samstag zehntausende Menschen gegen die Verhaftung des örtlichen Gouverneurs wegen Mordverdachts protestiert. Sergej Furgal war am Donnerstag festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, vor 15 Jahren mehrere Morde an Geschäftsleuten in Auftrag gegeben zu haben.

Die lokale Nachrichtenseite DVHab.ru nannte die Demonstration "die größte in der Geschichte von Chabarowsk". Furgals ultrarechte Liberaldemokratische Partei (LDPR) teilte mit, es seien rund 35.000 Menschen zu den Protesten gekommen, die Nachrichtenwebseite DVHab.ru sprach von 20.000 bis 30.000 Teilnehmern.

Sergej Furgals Festnahme sorgte für Empörung. - © APAweb / REUTERS, Investigative Committee of Russia
Sergej Furgals Festnahme sorgte für Empörung. - © APAweb / REUTERS, Investigative Committee of Russia

In der Provinzhauptstadt Chabarowsk im fernen Osten Russlands wohnen mehr als 600.000 Menschen. Die Demonstranten riefen "Freiheit!" und "Sergej Furgal ist unsere Wahl". Manche hielten Schilder mit der Aufschrift "Wir sind Sergej Furgal!" in die Höhe.

Fast 70 Prozent bei der Wahl erreicht

Auch aus anderen Städten in der Region gab es Berichte von kleineren Protesten. Mehr als 40.000 Menschen haben in den vergangenen Tagen eine Petition mit der Forderung nach Furgals Freilassung unterschrieben.

Lage der Region Chabarowsk. - © Wikimedia Commons/TUBS
Lage der Region Chabarowsk. - © Wikimedia Commons/TUBS

Der 50-jährige Furgal weise "kategorisch jede Mitschuld" zurück, sagte sein Anwalt am Freitag. Der Politiker hatte bei den Gouverneurswahlen 2018 fast 70 Prozent der Stimmen in der Region Chabarowsk geholt und den Kandidaten der Regierungspartei Einiges Russland von Präsident Wladimir Putin geschlagen.

Die Behörden würden in zwei Mordfällen und einem versuchten Mord ermitteln, berichteten Nachrichtenagenturen. In einem Fall sei Furgals früherer Geschäftspartner Oleg Bulatow 2005 erschossen worden.

Nicht genug Stimmen für Putin geliefert?

Mit Verweis auf die bei einer Volksabstimmung vor einer Woche angenommene Verfassungsänderung, mit der Kremlchef Wladimir Putin dauerhaft im Amt bleiben kann, schimpfte der LDPR-Vorsitzende Wladimir Schirinowski in der Duma: "Sie wollten ein neue Verfassung? Wir haben Ihnen die Verfassung gegeben. Und nun legt ihr uns Handschellen an."

Medienberichten zufolge soll Furgal dem Kreml nicht die gewünschten Ergebnisse bei der Volksabstimmung geliefert haben. Das neue Grundgesetz, das Putin mehr Machtbefugnisse gibt und einen Verbleib im Amt bis 2036 ermöglicht, war nach offiziellen Angaben mit großer Zustimmung angenommen worden. (apa, afp, dpa)