Nach der bolivianischen Interimspräsidentin Jeanine Áñez hat sich auch der Wirtschaftsminister des südamerikanischen Landes mit dem Coronavirus angesteckt - als bereits vierter Minister Boliviens in diesem Monat. Er gebe die Führung des Ressorts vorübergehend ab, während er sich zur Beobachtung in einem Spital aufhalte, erklärte Oscar Ortiz am Sonntag in einem auf Twitter veröffentlichten Video.

Vor ihm war unter anderem bei Gesundheitsministerin Eidy Roca eine Infektion mit dem Virus bekannt geworden. Auch die Senatspräsidentin Eva Copa steckte sich nach eigenen Angaben an.

Erst am Donnerstag hatte Áñez ihr positives Testergebnis bekanntgegeben und angekündigt, sich für zwei Wochen in Quarantäne zu begeben und von zu Hause aus die Regierungsgeschäfte weiter auszuführen. Die frühere Senatorin war im vergangenen Jahr an die Staatsspitze gerückt, nachdem der ehemalige Präsident Evo Morales nach seiner umstrittenen Wiederwahl auf Druck des Militärs zurückgetreten und ins Exil geflohen war. Am 6. September soll es Neuwahlen geben.

Nach dem Brasilianer Jair Bolsonaro und dem honduranischen Staats- und Regierungschef Juan Orlando Hernández ist Áñez als drittes Staatsoberhaupt in Lateinamerika positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden. Hernández verbrachte gut zwei Wochen in einem Krankenhaus. Zuletzt infizierten sich auch in Venezuela mehrere führende Politiker, darunter der Vorsitzende der Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, und Ölminister Tareck El Aissami.

Lateinamerika gehört derzeit zu den Brennpunkten der globalen Corona-Pandemie. Nach Zahlen der Europäischen Union wurden dort bisher mehr als drei Millionen Infektionen und mehr als 140 000 Todesfälle im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 registriert.

Alarmierende Zahlen aus Mexiko

Alleine in Mexiko sind die Todeszahlen bis Sonntag auf 35.006 gestiegen, womit das Land nun viertmeisten Covid-19-Opfer zu beklagen hat. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus liegt in Mexiko nach Statistiken der Johns Hopkins Universität in den USA bei 299.750.

Die wahren Zahlen dürften in Mexiko allerdings noch deutlich höher liegen. Äußerst wenige Menschen werden dort auf das Coronavirus getestet. Nach Statistiken, die von Forschern der englischen Universität Oxford zusammengetragen wurden, lag die Zahl der täglich durchgeführten Tests in Mexiko zuletzt bei 4,83 pro 1.000 Einwohner - in Deutschland waren es 76,1 und in den USA 117,58. (apa/dpa/red)