Schiitische Houthi-Rebellen im Jemen haben nach eigener Darstellung bei einem Drohnen- und Raketenangriff eine Erdölraffinerie im saudi-arabischen Jizan getroffen. Der Angriff auf die Ölanlage in der Hafenstadt am Roten Meer sei genau gewesen, erklärte ein Houthi-Militärsprecher am Montag.

Zudem seien mit Drohnen Militärflugzeuge, Unterkünfte von Piloten und Patriot-Raketen-Abwehrsysteme in Khamis Mushait attackiert worden sowie andere militärische Ziele der Flughäfen in Abha, Jizan und Najran im Südwesten des Landes.

Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition im Krieg gegen die von seinem Erzrivalen Iran unterstützten Houthi-Rebellen im Jemen erklärte, es seien vier ballistische Raketen und sechs mit Sprengstoff beladene Drohnen aus dem Jemen abgefangen und zerstört worden. Die Drohnen seien aus der von Houthi-Rebellen kontrollierten jemenitischen Hauptstadt Sanaa gestartet.

Der Ölkonzern Saudi Aramco betreibt in Jizan eine Raffinerie mit einer Kapazität von 400.000 Barrel pro Tag. Eine Anfrage nach einer Stellungnahme ließ der Konzern unbeantwortet.

Steigende Gewalt

Nach dem Ende einer sechswöchigen Waffenruhe im Mai, die im Zuge der Coronavirus-Pandemie vereinbart worden war, hat die Gewalt zwischen beiden Seiten wieder zugenommen. Seit fünf Jahren bekämpft die von Saudi-Arabien geführte Allianz die Houthis im Jemen. Dort hatten die Rebellen Ende 2014 den von Saudi-Arabien unterstützten international anerkannten Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi gestürzt, dem sie Korruption und Misswirtschaft vorwarfen. 2015 schaltete sich Saudi-Arabien in den Konflikt ein und schmiedete die sunnitische Allianz.

Das erzkonservative Königreich Saudi-Arabien und der Iran, der sich als Schutzmacht der Schiiten begreift, ringen seit Jahren um die Vormachtstellung in der Region. Die schiitischen Houthis kontrollieren große Gebiete des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen engen Verbündeten seines Erzfeindes Iran. Saudische Kampfjets fliegen regelmäßig Angriffe im Jemen, bei denen auch Zivilisten sterben. Die Houthis wiederum greifen mit Raketen und Drohnen regelmäßige Ziele im benachbarten Saudi-Arabien an. Sunniten und Schiiten, die beiden größten Gruppen unter den muslimischen Glaubensrichtungen, bekämpfen sich immer wieder, auch in anderen Ländern.

Über 100.000 Menschen sind als Folge des Krieges im Jemen bereits ums Leben gekommen. Die Vereinten Nationen sprechen von der weltweit größten humanitären Krise. (apa, reuters, dpa)