Der umstrittene ehemalige Vizepräsident Afghanistans und frühere Kriegsherr Abdul Rashid Dostum hat den höchsten militärischen Dienstgrad im Land erhalten. Dostum erhielt seine Beförderung zum Marschall am Mittwoch mit militärischen Ehren vor Hunderten Gästen. Auch der Spitzenpolitiker Abdullah Abdullah nahm an der Zeremonie in der Hauptstadt der Nordprovinz Jowzjan teil.

Die Beförderung war Teil eines Abkommens zwischen Präsident Ashraf Ghani und seinem früheren Wahlrivalen Abdullah Abdullah. Diese hatten im Mai - Monate nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse - eine Lösung zur Überwindung der innenpolitischen Krise und einer Machtteilung beider Lager gefunden. Seitdem führt Abdullah den neu geschaffenen Hohen Rat für Aussöhnung im Land.

Nicht unumstritten

Die Beförderung Dostums ist umstritten. Ihm werden Entführung und Vergewaltigung eines politischen Rivalen im Jahr 2016 vorgeworfen. Die Anschuldigungen machte damals der Politiker Ahmad Ishi im Fernsehen öffentlich. Zwar stritt Dostum die Vorwürfe ab, Präsident Ghani zwang seinen damaligen Vizepräsidenten aber ins Exil. Dostum kehrte 2018 zurück. Bei der Präsidentschaftswahl 2019 unterstützte er Ghanis Rivalen Abdullah.

Dostum gehört zur usbekischen Minderheit im Norden des Landes. Er machte schon zu Zeiten sowjetischer Vorherrschaft Militärkarriere und unterstützte die USA beim Militäreinsatz in Afghanistan, der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begann. Als Teil der sogenannten Nordallianz bekämpften seine Milizen mit den amerikanischen Streitkräften die militant-islamistischen Taliban. (apa, dpa)