Nach dem angekündigten Abzug von rund einem Drittel der amerikanischen Truppen aus Deutschland hat US-Präsident Donald Trump die deutsche Regierung erneut kritisiert. Russland reagierte unterdessen zurückhaltend auf den angekündigten Teilabzug amerikanischer Soldaten aus Deutschland.

"Deutschland zahlt Russland jährlich Milliarden von Dollar für Energie, und wir sollen Deutschland vor Russland schützen. Was soll das sein?", twitterte Trump am Mittwochabend (Ortszeit). Außerdem sei Berlin "mit seiner zweiprozentigen Gebühr an die NATO sehr säumig." Daher werde man einige Truppen aus Deutschland abziehen.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass die USA rund ein Drittel der bisher in Deutschland stationierten Soldaten möglichst rasch abziehen wollen. Gut die Hälfte der rund 12.000 betroffenen Soldaten sollen in die USA zurückgeholt, weitere 5.600 in andere NATO-Länder - etwa Polen - verlegt werden. Zudem sollen zwei Kommandozentralen - die US-Hauptquartiere für Europa und für Afrika - nach Belgien verlegt werden.

Einen exakten Zeitplan legte Esper nicht vor. Es ist auch unklar, ob Trumps Maßnahme wie geplant über die Bühne gehen kann, weil der Kongress die Mittel dazu bewilligen müsste.

Trump hatte den im Grundsatz bereits im Juni angekündigten Teilabzug der US-Truppen mit aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Das Zwei-Prozent-Ziel der NATO sieht vor, dass sich alle Bündnispartner bis 2024 daran annähern, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Die wenigsten Mitgliedstaaten erfüllen die Vorgabe. Deutschland hat sich inzwischen der Marke angenähert, liegt mit 1,38 Prozent aber immer noch deutlich unter dem Ziel. Die USA geben trotz ihres deutlich höheren BIP 3,4 Prozent für die Verteidigung aus.

Kritik aus eigenen Reihen

Die Ankündigung der US-Regierung löste deutliche Kritik in Trumps eigener Partei aus. Der republikanische Senator Mitt Romney nannte den Plan einen "schwerwiegenden Fehler". Romney - ein innerparteilicher Kritiker Trumps - schrieb auf Twitter: "Es ist ein Schlag ins Gesicht eines Freundes und Verbündeten." Trumps Ex-Sicherheitsberater John Bolton twitterte, die Entscheidung sende "unseren Gegnern das falsche Signal und macht unsere Verbündeten angesichts der zunehmenden globalen Bedrohungen verwundbar".

"Dies ist ein Geschenk an (den russischen Präsidenten) Wladimir Putin, der seit langem versucht, das Bündnis zu schwächen", twitterte Andrew Bates, ein Sprecher von Joe Biden, dem designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und Rivalen Trumps, der sich um seine Wiederwahl bemüht. US-Steuerzahler müssten mehrere Milliarden Dollar für einen Schritt bezahlen, der weder den US-Interessen diene noch die NATO stärke oder zur Abschreckung Russlands beitrage. Sollte Biden im November ins Präsidentenamt gewählt werden, würde dieser die Entscheidung Trumps überprüfen.

Der russische Vize-Außenminister Alexander Gruschko sagte am Donnerstag in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax, es sei "noch zu früh", um die Truppenreduzierungspläne der USA für Deutschland zu bewerten. Man werde genau beobachten, wie die Neuaufstellung der US-Truppen in Europa am Ende erfolgen werde.

Nach Ansicht des russischen Diplomaten Michail Uljanow dürfte die Bundesrepublik Deutschland politisch von einem solchen Schritt profitieren. "Deutschland ist nicht bedroht. Die Sicherheit wird also nicht beeinträchtigt", schrieb er bei Twitter. Russland und die USA führen derzeit in Wien Gespräche über eine weitere nukleare Rüstungskontrolle.

Deutschland hofft auf Korrekturen

In Deutschland sah der CDU-Politiker Friedrich Merz am Donnerstag noch Chancen für Korrekturen bei der US-Entscheidung. Im US-Kongress gebe es erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben Trumps, sagte Merz, der sich um den CDU-Vorsitz bemüht, dem Deutschlandfunk. Insofern seien die Ankündigungen der USA ein "Weckruf, aber kein Anlass zur Panik".

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), sieht in dem Truppenabzug auch eine "Chance zur Stärkung europäischer Souveränität". Roth äußerte sich in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Donnerstag zwar enttäuscht über die US-Entscheidung, warnte aber davor, jetzt "in Wehklagen zu verfallen". "Es ist an der Zeit, dass Europa seine Rolle in der Welt stärkt und auf eigenen Füßen steht", betonte Roth. (apa, dpa, afp)