18 Kolonien wurden 1960 in die Unabhängigkeit entlassen: 14 französische, zwei britische, je eine belgische und italienische Kolonie. Neun Staaten, darunter der Niger, Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) und der Tschad, feiern ihren 60. Unabhängigkeitstag im August.

   Am 1. Jänner 1960 - KAMERUN eröffnet den Reigen jener Staaten, die in diesem Jahr die Unabhängigkeit erlangen.

   Von 1884 bis zum Ersten Weltkrieg (1916) deutsche Handelskolonie, fiel das westafrikanische Land danach zu vier Fünfteln Frankreich zu, die Region im Norden an der Grenze zu Nigeria wurde britisch. 1940 wurde Französisch-Kamerun dem Generalgouvernement Französisch-Äquatorialafrika unterstellt. Nach vermehrten Aufständen gegen die Kolonialmacht hatte das Gebiet bereits 1958 eine eigene Verfassung und beschränkte innere Autonomie bekommen.

   27. April - Das kleine westafrikanische Land TOGO mit ähnlicher Geschichte wie Kamerun wird unabhängig von Frankreich.

   Früher deutsches Protektorat (1884 bis zum Ersten Weltkrieg), wurde später der Großteil (zwei Drittel) des Territoriums von Frankreich verwaltet - das heutige Staatsgebiet Togos. 1920 fällt etwa ein Drittel des Gebiets an Großbritannien, dessen Bevölkerung 1956 für eine Union mit dem benachbarten Ghana stimmt. Französisch-Togo wird 1936 an Französisch-Westafrika angeschlossen und erhält 1956 als Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft beschränkte innere Autonomie.

   26. Juni - MADAGASKAR wird von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen.

   Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert lieferten sich britische und französische Imperialisten einen Wettlauf um den Inselstaat, bis er 1890 schließlich nach heftigem lokalen Widerstand französische Kolonie wurde. Aber bereits Ende der 1950er-Jahre fällt das französische Ansehen erneut auf einen Tiefpunkt. Nach blutig niedergeschlagenen Aufständen wird die Republik Madagaskar 1958 zum autonomen Staat innerhalb der französischen Gemeinschaft.

   26. Juni - Britisch-Somaliland, auf dem Gebiet des heutigen Norden SOMALIAS, wird unabhängig.

   Die Kolonialmacht Großbritannien beschränkt sich wie in vielen anderen Kolonialgebieten auf indirekte Herrschaft, die Infrastruktur wurde in dem Protektorat (1884 bis 1960) nur wenig ausgebaut.

 

Lumumba-Statue in Kinshasa. - © APaweb / AFP, Kannah
Lumumba-Statue in Kinshasa. - © APaweb / AFP, Kannah

  30. Juni - Die Demokratische Republik Kongo (von 1971-97 Zaire genannt) erklärt die Unabhängigkeit von BELGIEN.

   Für rund 20 Jahre, als der Kongo im Privateigentum von Belgiens König Leopold II. steht, finden systematische Ausbeutung und Gräueltaten rund um die Kautschukgewinnung statt. 1908 kauft der belgische Staat dem König den Freistaat Kongo ab. Massenproteste und Aufstände gegen die belgische Herrschaft führen 1960 zur Unabhängigkeit.
   1. Juli - Italienisch-Somaliland, auf dem Gebiet des heuten Südens SOMALIAS wird unabhängig und vereinigt sich noch am gleichen Tag mit Britisch-Somaliland.

   1936 wird der italienisch besetzte Teil Somalias zusammen mit den Gebieten des heutigen Eritrea und Äthiopien zur Kolonie "Italienisch-Ostafrika" erklärt. Nach der Eroberung italienischer Kolonialgebiete 1941 durch Großbritannien kommt Italienisch-Somaliland unter britische Militärverwaltung.

   1. August
- Die Republik Dahomey (heute BENIN) erhält die volle Souveränität.

   Zuvor ist der westafrikanische Staat als Kolonie Französisch-Dahomey Teil von Französisch-Westafrika, davor bis 1900 das unabhängige Königreich Dahomey. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Dahomey zum Überseeterritorium innerhalb der Französischen Union erklärt und erhält beschränkte innere Autonomie. 1958 wird das Land zur autonomen Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft (Communaute Francaise) erklärt.

   3. August
- Der NIGER erhält die Unabhängigkeit von Frankreich.

   Nachdem französische Truppen das benachbarte Mali erobern, besetzen sie gegen den erbitterten Widerstand der ansässigen Volksgruppen auch das Staatsterritorium der heutigen Republik Niger. 1911 wird das Gebiet als Provinz "Obersenegal und Niger" Teil von Französisch-Westafrika. Unabhängigkeitsbewegungen formieren sich und 1945 wird der Niger zunächst französisches Überseeterritorium. Wie alle Kolonien Französisch-Westafrikas wird der Niger 1958 zur autonomen Republiken innerhalb der Französischen Gemeinschaft.

   5. August - Obervolta, das heutige BURKINA FASO, erlangt die Unabhängigkeit.

   Das Gebiet, benannt nach dem Fluss Volta, wird im späten 19. Jahrhundert Frankreich unterworfen. Da die wirtschaftliche Entwicklung hinter den Erwartungen des Mutterlandes zurückbleibt, wird das Territorium 1932 unter den Nachbarkolonien Französisch-Sudan, Niger und Cote d'Ivoire aufgeteilt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird Obervolta 1947 wieder in seinen alten Grenzen - als Überseeterritorium wiederhergestellt. Im August 1984 ändert Obervolta seinen Namen in Burkina Faso.

   7. August - Mit der Elfenbeinküste (COTE D'IVOIRE) wird ein weiterer Staat in der Region unabhängig.

   Nach ersten Handelsniederlassungen Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts rief Frankreich 1893 die Kolonie Elfenbeinküste aus, 1904 wurde die Kolonie Teil von Französisch-Westafrika, 1958 autonom.

   11. August - Der TSCHAD wird unabhängig von Frankreich.

   1884 wird das heutige Staatsgebiet des Tschad Frankreich zugesprochen, 1900 werden die besetzten Gebiete zum Protektorat, drei Jahre später offiziell zur Kolonie. 1908 wird das Areal Teil von Französisch-Äquatorialafrika. Ab 1920 ist der Tschad eigenständige Kolonie, nach Ende des Zweiten Weltkriegs Überseeterritorium, 1958 wiederum autonome Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft.

   13. August
- Die ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK wird unabhängig von Frankreich.

   Vom französischen Protektorat Kongo aus dringen Franzosen ab 1885 ein und weiten ihren Einflussbereich stetig aus. 1920 wird das Gebiet als Kolonie Ubangi-Schari an Französisch-Äquatorialafrika angegliedert. Erste Aufstände gegen die Kolonialherren Ende der 20er-Jahre werden unterdrückt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird auch Ubangi-Schari Überseeterritorium und 1958 autonome Republik. 1958 finden die ersten Wahlen statt.

   15. August
- Die REPUBLIK KONGO (Kongo-Brazzaville) erlangt die Unabhängigkeit.

   1891 wird das Gebiet als "Mittelkongo" französische Kolonie, 1910 erfolgt die Zusammenlegung mit Gabun (und später Ubangi-Schari) zur Kolonialföderation Französisch-Äquatorialafrika. Ähnlich wie die beiden Gebiete wird der Mittelkongo 1946 französisches Überseeterritorium, dann autonome Republik, bevor es 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wird.

   17. August
- GABUN löst sich von Frankreich, das sich nach Portugiesen, Niederländern, Spaniern und Briten als Kolonialmacht durchgesetzt hatte.

   1886 wird Gabun offiziell zur französischen Kolonie. Zunächst heißt es zusammen mit der heutigen Republik Kongo "Französisch-Kongo". Ab 1910 wird sie mit den heutigen Ländern Tschad und Zentralafrikanische Republik zur Kolonie Französisch-Äquatorialafrika zusammengefasst.

   20. August - Der SENEGAL wird, nach einer kurzen gemeinsamen Föderation mit der Nachbarrepublik Soudan (dem späteren Mali), von Frankreich unabhängig.

   Bereits rund zwei Jahre zuvor, ab 1958, ist das westafrikanische Land autonome Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft, nachdem sich bereits Anfang der 1920er erste Unabhängigkeitsbewegungen formieren.

   22. September
- MALI erlangt die volle Unabhängigkeit von Frankreich, das das Gebiet Ende des 19. Jahrhunderts erobert hatte.

   1892 erfolgt die Gründung der Kolonie Soudan als Teil des Kolonialgebietes Französisch-Westafrika. Nach Protesten besteht auch hier bereits seit 1958 die vollständige Autonomie innerhalb der Französischen Gemeinschaft. Die sogenannte "Mali-Föderation", der Zusammenschluss mit der Republik Senegal, ist relativ kurzlebig und zerbricht nach nur eineinhalb Jahren im August 1960 wieder.

   1. Oktober - Das heute bevölkerungsreichste Land Afrikas, NIGERIA, wird von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen.
   Bereits im 15. Jahrhundert lassen sich die Portugiesen nahe Lagos nieder, spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts werden sie aber von den Briten vertrieben, die wenig später das gesamte Gebiet des heutigen Nigeria kolonialisieren. Aufgrund ethnischer Spannungen wird schon damals der Norden und der Süden getrennt verwaltet.

   28. November
- MAURETANIEN, das vergleichsweise spät zur französischen Kolonie wird, wird unabhängig.

   Nach jahrzehntelangen Kämpfen können erst 1934 die Berberstämme endgültig besiegt werden, bereits 1904 proklamiert Frankreich allerdings das Territorium als Besitz. 1929 wird es als Französisch-Westafrika zur Kolonie erklärt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gewährt Frankreich Mauretanien eine beschränkte Selbstverwaltung, indem es der Kolonie den Status eines Überseeterritoriums gibt. 1958 folgt die Ernennung zur autonomen Republik innerhalb der Gemeinschaft.