Die afghanische Regierung hat seit Beginn des dreitägigen islamischen Opferfestes Eid al-Adha am Freitag weitere mehr als 300 Taliban aus der Gefangenschaft entlassen. Damit seien insgesamt 4917 Kämpfer der militant-islamistischen Aufständischen seit ihrem Friedensabkommen mit den USA vom Februar freigekommen, teilte der Nationale Sicherheitsrat am Sonntag auf Twitter mit.

Die 317 seit Freitag entlassenen Gefangenen gehören zu den zusätzlichen 500 Taliban, die Präsident Ashraf Ghani als Geste des guten Willens freilassen will. Er hatte dies am Freitag angekündigt, um damit die dreitägige Waffenruhe zu würdigen, die die Taliban für die Dauer des Opferfestes verkündet hatten.

Funkstille

Die Taliban reagierten zunächst nicht auf die neuerliche Freilassung. Sie fordern indes die Freilassung von 400 bestimmten Kämpfern. Ghani hatte am Freitag jedoch gesagt, wegen der Schwere ihrer Verbrechen habe er "keine Befugnis", diese konkreten Personen freizulassen. Zur Klärung dieser Frage will der Präsident eine sogenannte Loya Jirga, eine große Ratsversammlung, einberufen. Loya Jirgas tagen in Afghanistan, wenn große nationale Fragen geklärt werden sollen. Die Ergebnisse sind für die Politik aber nicht bindend.

Der Gefangenenaustausch war als Vorbedingung für innerafghanische Friedensgespräche in ein Abkommen aufgenommen worden, das die USA mit den Taliban am 29. Februar in Doha (Katar) unterzeichnet hatten. Die afghanische Regierung in Kabul war nicht daran beteiligt worden, weil die Taliban damals direkte Gespräche abgelehnt hatten. Bis zu 5.000 inhaftierte Taliban sollten im Tausch gegen 1.000 von den Rebellen festgehaltene Gefangene freikommen. Die Taliban sagen, sie hätten wie vereinbart alle 1.000 Gefangenen freigelassen. Der Streit um den Gefangenentausch hat die geplanten innerafghanischen Friedensgespräche bisher verzögert.