Jerusalem/Abu Dhabi. Nach der angekündigten Normalisierung ihrer Beziehungen steuern Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate in schnellen Schritten auf einen regelmäßigen diplomatischen Kontakt zu. So hat Israels Präsident Reuven Rivlin den Kronprinzen von Abu Dhabi, Mohammed bin Said Al Nahjan, offiziell zu einem Besuch eingeladen. Mohammed bin Said Al Nahjan ist der faktische Herrscher der Emirate.

Die Emirate wollen als drittes arabisches Land nach Ägypten und Jordanien diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen. Darauf hatten sich die beiden Länder in einem am Donnerstag verkündeten Abkommen geeinigt. Im Gegenzug will Israel die Annektierung von Gebieten im besetzten Westjordanland aussetzen, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen.

Auch weitere Schritte zur Normalisierung der Beziehungen wurden bereits gesetzt: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte am Montag bei einem Besuch des Flughafens Ben Gurion bei Tel Aviv, es werde an der Aufnahme von Direktflügen zwischen Tel Aviv und Dubai sowie Abu Dhabi durch saudi-arabischen Luftraum gearbeitet. Am Sonntag waren bereits Telefonverbindungen zwischen beiden Ländern freigeschaltet worden. Auch bei der Bekämpfung des Coronavirus wollen die beiden Staaten nun enger zusammenarbeiten.

Das Abkommen kam überraschend. Denn bisher galt es als Tabu für arabische Staaten, Abkommen mit Israel zu schließen, bevor der Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gelöst ist.

Israels Premier Benjamin Netanyahu sprach jedoch nun von einer neuen Doktrin. Diese sehe vor, dass Israel im Gegenzug für eine friedliche Vereinbarung keine Gebiete räumen müsse. "Diese Doktrin steht im kompletten Gegensatz zu der Auffassung, die noch bis vor wenigen Tagen herrschte, dass kein arabischer Staat einen offiziellen und offenen Frieden mit Israel schließen wird, bevor der Konflikt mit den Palästinensern beendet ist", sagte Netanyahu. "Diese Auffassung von ‚Frieden für Rückzug und Schwäche‘ ist jetzt Geschichte."

EU erfreut, Iran erzürnt

International waren die Reaktionen auf das Abkommen gemischt. In der Region begrüßte es das Königreich Bahrain. Es sei ein "historischer Schritt des Friedens". Auch die EU lobte die Vereinbarung. Eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen werde beiden Staaten nützen und ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der gesamten Region sein.

Schwer enttäuscht waren hingegen die Palästinenser. "Ich glaube wirklich, dass dieser Schritt die Zwei-Staaten-Lösung töten wird", sagte deren Chefunterhändler Saeb Erekat.

Erzürnt reagierte der Iran. "Falls die Emirate mit dem Gedanken spielen, Israel den Zutritt zu der Region (am Persischen Golf) zu ermöglichen, wird ihnen gegenüber eine härtere Gangart eingeschlagen", verkündete Präsident Hassan Rouhani. Die ultrakonservative Zeitung "Kayhan" erklärte die Emirate gar zum "legitimen Ziel" für pro-iranische Kämpfer und bezichtigte das Königreich des "schweren Verrats". Laut Beobachtern sorgt aber gerade der Iran mit seinem Streben nach der Vormachtstellung in der Region dafür, dass arabische Staaten die Annäherung an Israel suchen, um dem Iran mehr entgegensetzen zu können.