Die international anerkannte Regierung Libyens hat einen sofortigen Waffenstillstand für das Bürgerkriegsland ausgerufen. Die Streitkräfte seien angewiesen, alle Kampfhandlungen in ganz Libyen einzustellen, teilte Regierungschef Fajis al-Sarraj am Freitag in Tripolis mit. Zudem sollen eine entmilitarisierte Zone in der strategisch wichtigen Stadt Sirte am Mittelmeer eingerichtet und ein politischer Dialog angestoßen werden.

In Libyen herrscht seit dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. Die Sarraj-Regierung kämpft gegen die Truppen des einflussreichen Generals Khalifa Haftar. Alle diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts scheiterten bisher. Auch frühere Waffenruhen konnte die Lage nicht beruhigen.

Sarraj Ankündigung erfolgt mehr als zwei Monate, nachdem Anhänger der Regierung die Kontrolle über mehrere Gebiete nahe Tripolis zurückgewinnen konnten. Damit stoppten sie eine im vergangenen Jahr begonnene Offensive Haftars auf die Hauptstadt.

Agila Saleh, der Vorsitzende des mit Haftar verbündeten Parlaments im Osten Libyens, rief ebenfalls zu einem sofortigen Waffenstillstand im Land auf. Der Waffenstillstand blockiere den Weg für jegliche ausländische Militärintervention im Land und führe zum Abzug von Söldnern und zur Auflösung von Milizen, fügte er in einer Erklärung hinzu, die von der libyschen UN-Mission veröffentlicht wurde.

Haftar selbst wollte aber noch keinen Kommentar abgeben. Und bevor Libyens schlagfertigster Warlord sich voll und ganz zu einem Waffenstillstand bekennt, ist dieser sehr brüchig. Außerdme gab es auch in der Vergagenheit immer wieder vermeintliche Eingungen, die schnell wieder geplatzt sind.

Die UN-Libyenvermittlerin Stephanie Williams begrüßte die Ankündigung und sprach von einer Einigung beider Seiten. Es bestehe die Hoffnung, dass alle ausländischen Kräfte aus dem Land abzögen.

Die Sarraj-Regierung wird in dem Konflikt unter anderem von türkischen Truppen unterstützt. Haftar erhält Hilfe von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Ägypten und Saudi-Arabien. (apa/dpa/red)