Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump erwägt einem Medienbericht zufolge eine beschleunigte Zulassung eines Corona-Impfstoff-Kandidaten, der vom britischen Konzern Ast-raZeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt wird. Das Vakzin könnte damit noch vor den US-Wahlen am 3. November den Amerikanern zur Verfügung stehen, berichtet die "Financial Times". Es bestehe die Option, dass die zuständige US-Arzneimittelbehörde FDA im Oktober eine Notfallgenehmigung für den möglichen Impfstoff erteile.

Derzeit befinden sich mehrere Impfstoffkandidaten in den USA in großen klinischen Studien mit bis zu 30.000 Probanden. Sollten diese im Herbst erfolgreich abgeschlossen sein, könnten die Aufsichtsbehörden mit dem - normalerweise aufwendigen und langwierigen - Prozess der Zulassung beginnen. Experten der US-Regierung, darunter der Immunologe Anthony Fauci, haben sich zuversichtlich gezeigt, dass es Anfang oder Mitte 2021 einen wirksamen Impfstoff geben könnte.

Trump bewirbt sich im November um eine zweite Amtszeit. Die Corona-Pandemie und die von ihr ausgelöste Wirtschaftskrise könnte ihn Umfragen zufolge aber einen Wahlsieg kosten. In den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, gibt es bisher rund 5,7 Millionen be-stätigte Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und 176.000 damit in Verbindung ste-hende Todesfälle. Täglich werden im Schnitt rund 45.000 Neuinfektionen gemeldet. Weltweit entfallen die meisten Corona-Infektionen und -Todesfälle auf die USA.

Twitter verpasste Trump-Tweet Warnhinweis

Unterdessen hat Twitter eine Botschaft von Trump zu einem angeblich geplanten Wahlbetrug mit einem Warnhinweis versehen. Der Tweet des Republikaners habe gegen die Regeln zur Wahrung der "Integrität der Wahlen" verstoßen, erklärte das Unternehmen am Sonntag.

Trump mache in seinem Tweet eine irreführende Gesundheitsbehauptung, die Menschen möglicherweise von der Wahl abhalten könnte, hieß es. Der Tweet konnte daher unter anderem nur noch eingeschränkt weiterverbreitet werden. Ein Klick auf den Warnhinweis führte aber zu Trumps Original-Tweet. Es sei im öffentlichen Interesse, dass der Tweet weiter zugängig sei, hieß es.

In dem Tweet hatte Trump erneut ohne Angabe stichhaltiger Gründe behauptet, dass die Demokraten die wegen der Corona-Pandemie erwartete Zunahme der Briefwahl für Wahlbe-trug nutzen wollten. Konkret bezeichnete er spezielle Briefkästen, in die Wahlunterlagen ein-geworfen werden können, im Hinblick auf die Sicherheit als "Desaster". Mit Blick auf das Coronavirus, das die Erkrankung Covid-19 auslösen kann, schrieb Trump zudem, die Brief-kästen seien "nicht Covid-desinfiziert". Zudem suggerierte er, dass sie von Parteien kontrolliert würden. "Ein großer Betrug!" schrieb er. (apa, reu, dpa)