Als Reaktion auf den Besuch eines hochrangigen US-Diplomaten in Taiwan hat Peking eine ungewöhnlich große Militärübung in der Region gestartet. Bei den Kampfübungen in der Nähe der Taiwanstraße handle es sich um eine legitime und notwendige Maßnahme, um auf die aktuelle Situation zu reagieren, sagte Ren Guoqiang, ein Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums, am Freitag.

Das taiwanesische Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftwaffe der chinesischen Volksbefreiungsarmee habe die Mittellinie der Taiwanstraße überschritten und sei mit zwei H-6-Bombern und 16 Jägern in die Luftverteidigungspufferzone des Landes eingetreten.

Der Besuch von Keith Krach, einem hohen Vertreter des US-Außenministeriums, hatte bereits zuvor zu neuen Spannungen zwischen Peking und Washington geführt. China sei entschieden gegen jede Form des offiziellen Austauschs zwischen den Vereinigten Staaten und Taiwan, hatte ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums am Donnerstag zeitgleich mit der Ankunft des US-Politikers gewarnt.

Peking sieht grobe Provokation

Krach führte Gespräche mit Taiwans Wirtschaftsministerin Mei-Hua Wang und Vizepremier Shen Jong-chin. Auf der Tagesordnung standen auch Treffen mit Wirtschaftsführern und ein gemeinsames Abendessen mit Staatspräsidentin Tsai Ing-wen.

Es handelt sich bereits um den zweiten Besuch eines hochrangigen US-Politikers in Taiwan innerhalb weniger Wochen, was von Peking als grobe Provokation gesehen wird. Im August war US-Gesundheitsminister Alex Azar als der höchstrangige US-Vertreter seit Jahrzehnten nach Taiwan gereist.

Peking ist verärgert, da die kommunistische Führung die Insel als Teil der Volksrepublik ansieht. Nach ihrer "Ein-China-Doktrin" darf eigentlich kein Staat, der diplomatische Beziehungen zu Peking unterhält, offizielle Kontakte zu Taiwan pflegen.

Seit Ende des Bürgerkrieges in China 1949 ist Taiwan ein Konfliktherd. Damals flüchteten die Truppen der autoritären chinesischen Nationalregierung der Kuomintang-Partei auf die Insel, so dass die herrschenden Kommunisten in Peking dort bis heute nur eine abtrünnige Provinz sehen. China hat sich vorbehalten, Taiwan mit militärischen Mitteln zurückzubekommen. Die USA hatten im Zuge ihrer Annäherung an die Volksrepublik China 1979 ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und die Führung in Peking als alleinige Regierung Chinas anerkannt. Zugleich unterhielt die US-Regierung inoffiziell aber stets freundschaftliche Kontakte zu Taipeh - das schließt Handelsbeziehungen und Waffenlieferungen ein. Seit die taiwanesische Präsidentin, die Unabhängigkeitsverfechterin Tsai, im Jahr 2016 ihr Amt antrat, haben sich die Beziehungen zwischen Taipeh und Peking deutlich verschlechtert