Der sowjetische Dissident und Physiker Juri Orlow ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Mitbegründer der Moskauer Helsinki-Gruppe sei am Sonntag in den USA gestorben, teilte die Menschenrechtsorganisation am Montag mit. Auf ihrer Internetseite würdigte sie Orlow als "Physiker, Menschenrechtsaktivist und Denker".

Orlow habe ein langes und aktives Leben gelebt und bis zuletzt Physik unterrichtet, erklärte die Menschenrechtsorganisation, mit der Orlow den Angaben zufolge bis zuletzt in Kontakt stand.

Orlow war 1976 einer der Gründer der Moskauer Helsinki-Gruppe. Sie sollte die Einhaltung der Menschenrechtsverpflichtungen überwachen, die die Sowjetunion 1975 in der sogenannten Schlussakte von Helsinki zugesichert hatte.

1977 wurde Orlow wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte festgenommen und zu Arbeitslager und Verbannung verurteilt. Erst unter Staatschef Michail Gorbatschow kam er 1986 durch ein Abkommen mit den USA wieder frei. Er reiste in die USA aus und verlor zwischenzeitlich die sowjetische Staatsbürgerschaft.

In den USA setzte Orlow seine Karriere als Physiker an der Cornell University fort. Er arbeitete vor allem mit der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) zusammen. 1993 erhielt er die US-Staatsbürgerschaft. (afp)