Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny verdächtigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Drahtzieher seiner Vergiftung. "Ich behaupte, dass hinter der Tat Putin steht, und andere Versionen des Tathergangs habe ich nicht", zitierte das deutsche Magazin "Spiegel" Nawalny in einem am Donnerstag zunächst in Auszügen veröffentlichten Interview.

Der Oppositionspolitiker kündigte darin an, dennoch in seine Heimat zurückzukehren. "Meine Aufgabe ist jetzt, der Typ zu bleiben, der keine Angst hat. Und ich habe keine Angst!" Der Kreml-Kritiker war im August auf einem Flug von Sibirien nach Moskau zusammengebrochen. Zuerst wurde er nach einer Notlandung in Omsk, später in der Charite in Berlin behandelt. Kanzlerin Angela Merkel hatte sich persönlich dafür eingesetzt, dass der 44-Jährige nach Deutschland ausgeflogen wird. Nawalny wurde mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Der Kreml, der jede Verantwortung zurückweist, behauptete zuletzt, Nawalny habe sich selbst vergiftet.

Berlin will Verurteilung des Anschlags auf dem EU-Gipfel

Nach dem politisch motivierten Anschlag auf den unbequemen Kreml-Kritiker wurden in der EU Stimmen laut, die Konsequenzen gegenüber Russland forderten, darunter ein Ende des umstrittenen Nord Stream-II-Projektes. So weit wollte Deutschland nicht gehen. Stattdessen drängt die deutsche Bundesregierung auf eine gemeinsame Verurteilung des Giftanschlags auf dem EU-Sondergipfel. Für allfällige Strafmaßnahmen sei es hingegen noch zu früh, da eine Bewertung der Vergiftung durch die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OVCW) noch ausstehe, erklärte ein deutscher Regierungssprecher. (Reuters)