US-Präsident Donald Trump ist nach eigenen Angaben positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilt er auf Twitter am Freitag mit. Auch seine Frau Melania ist laut Trump infiziert. Das Paar werde sich umgehend in Quarantäne begeben und mit dem Erholungsprozess beginnen. "Wir werden das zusammen überstehen!"

Sean Conley, der Leibarzt des US-Präsidenten, erwartet, dass Trump trotz seiner Corona-Infektion die Amtsgeschäfte "ohne Unterbrechung" weiterführen kann. Conley erklärte in einer Mitteilung, Trump und seiner Ehefrau Melania gehe es gut, die beiden würden während ihrer Genesung im Weißen Haus bleiben.

Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Infektion auf Wahlkampf-Tour

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich einem Coronatest unterzogen, nachdem eine enge Beraterin positiv auf das Virus getestet wurde. Trump bestätigte am Donnerstagabend (Ortszeit) im Interview mit Fox News, dass sich Hope Hicks angesteckt habe.

Im Umfeld von Trump hat es schon früher Corona-Infektionen gegeben. Hicks ist allerdings die dem Präsidenten am nächsten stehende Person, von der bekannt ist, dass sie sich infiziert hat. Hicks war nach übereinstimmenden Medienberichten am Dienstag mit Trump in der Präsidentenmaschine Air Force One zur TV-Debatte nach Cleveland gereist, bei der Trump auf seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden getroffen war. Am Mittwoch reiste sie mit zu einem Wahlkampfauftritt nach Minnesota.

Trump suggerierte, dass sich Hicks bei Angehörigen des Militärs oder Polizeibeamten angesteckt haben könnte. "Sie kommen zu dir und sie wollen dich umarmen und sie wollen dich küssen, weil wir wirklich gute Arbeit für sie geleistet haben, man kommt sich nahe und Dinge passieren", sagte er. "Ich war überrascht, das mit Hope zu hören, aber sie ist eine sehr herzliche Person ihnen gegenüber und sie weiß, dass es ein Risiko gibt, aber sie ist jung." Man könne nicht einfach sagen: "Bleib weg, bleib weg", sagte Trump.

Keine Maske getragen

Auf Fotos von Mittwoch war Hicks auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews außerhalb des Präsidenten-Helikopters Marine One in unmittelbarer Nähe von Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner zu sehen. Beide trugen keinen Mund-Nase-Schutz.

Trump trägt in der Öffentlichkeit meistens keine Maske. Das Weiße Haus begründete das damit, dass der Präsident und sein Umfeld regelmäßig auf das Coronavirus getestet würden. Trumps Sprecherin, Kayleigh McEnany, bezeichnete das Tragen von Masken im Juni als "persönliche Entscheidung" und verwies darauf, dass sie regelmäßig getestet werde.

Mehrere Infektionen im Trump-Umfeld

Mitarbeitern des Weißen Hauses sei seit Mittwochabend bekannt, dass sich Hicks angesteckt habe, berichtete die "New York Times". Ihr sei es in Minnesota nicht gut gegangen und sei noch während des Rückflugs in der Air Force One unter Quarantäne gestellt worden, berichtete Bloomberg.

Anfang Mai war bekannt geworden, dass sich die Pressesprecherin von US-Vizepräsident Mike Pence, Katie Miller, angesteckt hatte. Ende Juli wurde der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Robert O'Brien, positiv getestet.

Die Corona-Pandemie ist in den USA noch immer nicht unter Kontrolle. Mehr als 7,2 Millionen Infektionen sind seit Beginn der Pandemie nachgewiesen worden. Die Zahl der bekannten Neuinfektionen in den USA ist einer Zählung der Nachrichtenagentur Reuters zufolge gestern um mindestens 45.785 auf 7,31 Millionen gestiegen. Die Zahl der Todesfälle stieg um mindestens 880 auf 207.940.

Aktienmärkte geben nach

Die Nachricht von Trumps Positiv-Test löste ein weltweites Nachlassen an den Finanzmärkte aus. Auch der Öl-Preis gab nach. "Die Corona-Erkrankung kommt für den US-Präsidenten zu einer denkbar ungünstigen Zeit", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank. "Sollte Donald Trump einen schwierigen Krankheitsverlauf erleiden, ist die Glaubwürdigkeit des Präsidenten endgültig beschädigt."

 Die internationalen Reaktionen auf die Ansteckung Trumps schwankten dagegen zwischen wohlmeinenden Genesungswünschen und  deutlichen Hinweise auf den Leichtsinn des Präsidenten. So nannte die staatliche chinesische Zeitung "China Daily" Trumps positiven Test eine weitere Erinnerung daran, dass sich das Virus ausbreite "selbst während Trump verzweifelt versucht hat zu suggerieren, dass es keine Gefahr mehr darstellt". Trump, sein Wahlkampfteam und das US-Präsidialamt hätten von Anfang an "die Gefahr heruntergespielt und sich geweigert, die grundsätzlichen öffentlichen Gesundheitsrichtlinien zu befolgen", hieß es in dem englischsprachigen Blatt.

Frankreichs Regierungssprecher Gabriel Attal erklärte, dass das Virus niemanden verschone - "einschließlich diejenigen, die sich skeptisch gezeigt haben". Er wünsche Trump eine schnelle Genesung. Der britische Premierminister Boris Johnson wünschte Trump und der First Lady alles Gute. Er hoffe, dass sich beide schnell erholen, sagte Johnson, der selbst mit dem Virus infiziert war und mit Covid-19 mehrere Tage auf der Intensivstation lag. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin wünschte Trump eine schnelle Genesung, wie der Kreml erklärte. Zugleich kündigte das Präsidialamt an, dass sich Putin gegen das Coronavirus impfen lassen werde. Russland hat nach eigenen Angaben bereits einen wirksamen Impfstoff entwickelt, was von internationalen Experten allerdings angezweifelt wird.

(apa/reuters)