Zumindest auf seinem Twitter-Account ist fast wieder alles beim Alten. Der mit Corona infizierte US-Präsident Donald Trump hat seine Aktivität auf Social Media wieder hochgefahren. Am frühen Montagmorgen US-Zeit setzte er innerhalb von einer Stunde insgesamt 18 Tweets ab, 16 davon innerhalb einer halben Stunde. Seine Nachrichten waren zum Großteil in Großbuchstaben verfasst und beinhalteten Aufrufe zur Wahl am 3. November und Argumente, die dabei seiner Ansicht nach für ihn sprechen. Trump schrieb zum Beispiel: "Recht & Ordnung. Wählen!" oder "Stärkstes Militär aller Zeiten. Wählen!" Nach Bekanntwerden seiner Infektion mit dem Coronavirus am Freitag hatte der US-Präsident vergleichsweise wenig getwittert. Er sendete aber täglich eine Videobotschaft über seine wichtigste Kommunikationsplattform.


Trump bei seinem ärztlich umstrittenen Ausflug. - © APAweb / Reuters
Trump bei seinem ärztlich umstrittenen Ausflug. - © APAweb / Reuters

Und nicht nur das: Sehr zum Ärgernis vieler Ärzte und zum Erstaunen aller ließ sich Trump am Sonntag in einem Auto vor seinen Fans blicken, die vor dem Krankenhaus zusammengekommen waren. Ein Arzt am Walter-Reed-Militärkrankenhaus, in das Trump eingeliefert worden war, hat den Ausflug Trumps heftig kritisiert. "Die Verantwortungslosigkeit ist erstaunlich", schrieb der Mediziner James P. Phillips auf Twitter und sprach von einem "politischen Theater", das andere in Lebensgefahr bringe. Trump saß mit mindestens zwei Personen in dem Wagen und trug eine Maske. "Jede einzelne Person in dem Fahrzeug während dieser völlig unnötigen präsidentiellen Vorbeifahrt muss jetzt für 14 Tage in Quarantäne. Sie könnten krank werden, sie können sterben. Für politisches Theater. Befohlen von Trump, um ihre Leben für Theater zu riskieren. Das ist Wahnsinn", schrieb der Mediziner Phillips.

Wie krank oder nicht krank Trump ist, wird derzeit als Staatsgeheimnis Nummer eins gehandelt. Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, ist etwa bisher nicht direkt über den Gesundheitszustand Trumps unterrichtet worden. Dabei steht Pelosi in der US-Hierarchie an dritter Stelle nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten. Trump ist allerdings nicht der erste US-Präsident, der aus seinem Gesundheitszustand ein Geheimnis macht, seine Vorgänger haben schon die eine oder andere Krebserkrankung verschwiegen.

Am Montag wurde auch darüber spekuliert, dass Trump schon sehr bald wieder ins Weiße Haus zurückkommen könnte. Aber auch das würde nicht viel aussagen, denn auch das Weiße Haus beherbergt im Endeffekt sämtliche Ausrüstung eines Krankenhauses. Und selbst wenn sich Trump derzeit in einer guten Verfassung befindet, so sagt es bei einer Covid-Erkrankung nichts darüber aus, wie sich der weitere Krankheitsverlauf entwickeln kann.

Was den Beobachtern bleibt, ist ein Rätselraten, was das Verabreichen dieses oder jenes Medikaments bedeutet, dessen Verwendung in die Öffentlichkeit durchgesickert ist. Als bekannt wurde, dass Trump etwa Steroide verabreicht bekommt, die entzündungshemmend wirken, urteilten manche Mediziner in einer Ferndiagnose, dass es Trump nun doch stärker erwischt haben dürfte, als man zunächst angenommen hatte. Die Amerikanische Gesellschaft für Infektiöse Krankheiten erklärte etwa, dass das verabreichte Steroid Dexamethasone nur nützlich ist, wenn der Patient unter schweren Covid-Symptomen leidet und vielleicht sogar zusätzlichen Sauerstoff erhalten muss. Bei weniger betroffenen Patienten könnte dieses Steroid sogar Schaden verursachen.

Unterdessen ist der Straßenabschnitt vor dem Walter-Reed-Krankenhaus zum Pilgerort für Trump-Fans geworden.

Unter den Anhängern ist auch Will, der nur seinen Vornamen preisgeben möchte. Auf seinem Pappschild steht: "Attentat?? Terrorismus??? Was ist im Rosengarten geschehen??? Ermittelt!!!"

Trump-Anhänger rufen Parolen vor dem Krankenhaus. - © APAweb / Getty / AFP
Trump-Anhänger rufen Parolen vor dem Krankenhaus. - © APAweb / Getty / AFP

Die Frage, was passiert ist, könnte man so beantworten: Trump hatte mehr als 100 Menschen in den Rosengarten eingeladen, um seine Kandidatin für den freigewordenen Richterposten am Supreme Court vorzustellen. Andernorts übliche Schutzmaßnahmen wurden in den Wind geschlagen. Die Stühle standen eng beisammen. Kaum jemand trug eine Maske. Manche Gäste schreckten sogar vor Umarmungen nicht zurück. Unter den Besuchern war vermutlich ein Super-Spreader, der das Virus weitergab. Will möchte das nicht gänzlich ausschließen, raunt aber auch: "Manchmal werden biologische Waffen eingesetzt, und Menschen geben es nicht zu, wenn sie sie benutzen."

Trump-Fan: "Warum stecken sich keine Demokraten an?"

Wer Will für einen Verschwörungstheoretiker halten sollte, wäre in der Menge vor dem Walter-Reed-Krankenhaus womöglich in der Minderheit. Will erhält jedenfalls viel Zuspruch. "Das ist schon merkwürdig", pflichtet ihm ein Trump-Unterstützer bei, nachdem er das Schild gelesen hat. "Alter, das ist supermerkwürdig", erwidert seine Begleiterin. "Warum stecken sich keine Demokraten an?" Das liegt womöglich daran, dass kaum Demokraten im Rosengarten gewesen sein dürften - und dass es deren Präsidentschaftskandidat Joe Biden (77) mit dem Corona-Schutz erheblich genauer nimmt als Trump.

Tucker Carlson, Moderator bei Fox News, nennt es am Freitag gleich zwei Mal "ein bisschen merkwürdig", dass Trump sich ausgerechnet einen Monat vor der Präsidentschaftswahl angesteckt hat, obwohl das Virus schon viel länger zirkuliert.(dpa/apa/wak)