Die internationale Agentur zur Kontrolle des Verbots von Chemiewaffen hat im Fall des vergifteten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny den Nachweis eines Kampfstoffs bestätigt. Dem Ergebnis einer Untersuchung der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zufolge wurde in einer Blutprobe Nawalnys ein Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe nachgewiesen, wie die Agentur am Dienstag mitteilte. Damit sind die Befunde eines Labors der deutschen Bundeswehr sowie von Experten in Frankreich und Schweden bestätigt.

Die deutsche Bundesregierung erklärte in einer ersten Reaktion, der Einsatz von Chemiewaffen könne nicht ohne Konsequenzen bleiben. Sie forderte Russland erneut auf, die Umstände des Anschlags aufzuklären. Nawalny war am 20. August auf einem russischen Inlandsflug zusammengebrochen und nach einer Notlandung zunächst im sibirischen Omsk behandelt worden. Am 22. August wurde er zur Behandlung in der Berliner Charite nach Deutschland ausgeflogen. Das Gift war zu Sowjetzeiten entwickelt worden und fällt unter das internationale Chemiewaffenverbot. Am 7. September war Nawalny aus dem Koma erwacht, am 23. September konnte er die Charite verlassen.

 

Nawalnys Hände zittern weiterhin

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny erholt sich nach eigenen Angaben zunehmend von dem gegen ihn verübten Giftanschlag. Seine Ärzte seien überrascht von den Fortschritten, die er mache, sagte der 44-Jährige in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit einem russischen YouTube-Blogger. Allerdings zitterten seine Hände weiterhin merklich, sagte Nawalny. Und er befinde sich in physiotherapeutischer Behandlung. Seine Genesung könne noch zwei Monate in Anspruch nehmen. Zugleich bekräftigte Nawalny, dass er den russischen Geheimdienst als Drahtzieher des Anschlags gegen ihn verdächtige. "Sie haben verstanden, dass es große, große Probleme gab, die sie vor der Wahl der Duma bedroht haben."

Nawalny und Yury Dud führten das Gespräch in Berlin. - © APAweb / reuters, Dud
Nawalny und Yury Dud führten das Gespräch in Berlin. - © APAweb / reuters, Dud

Das mehr als zweistündige Interview ist datiert auf Montag. Es ist das erste Mal, dass der russische Oppositionspolitiker seit dem Anschlag im August auf Video zu sehen ist. Bislang hatte er auf seinem Instagram-Account lediglich Fotos von sich veröffentlicht. In dem YouTube-Interview sagte Nawalny weiter, er habe keine Ahnung, was genau ihm widerfahren sei. Er habe aber gedacht, er werde sterben. Nawalny ist der derzeit beliebteste Oppositionspolitiker in Russland. Neben seiner Kritik an Präsident Wladimir Putin ist er auch wiederholt gegen Oligarchen wegen Korruptionsvorwürfen vorgegangen. Die russischen Parlamentswahlen sind für September nächsten Jahres terminiert. Nach Medienberichten könnte die Abstimmung aber auch auf das Frühjahr vorgezogen werden. (apa, reuters)