Bischkek. Ausnahmezustand in Kirgistan: Nach massiven Protesten gegen die umstrittene Parlamentswahl hat die Wahlkommission die Abstimmung für ungültig erklärt. Grund sind massive Manipulationen, bei Ausschreitungen wurde ein Mensch getötet und Hunderte weitere verletzt.

Kirgisische Medien berichteten, dass Demonstranten mehrere öffentliche Gebäude besetzt hätten, darunter den Regierungssitz und das Bürgermeisteramt in Bischkek. In der Nacht auf Dienstag war das Parlamentsgebäude gestürmt worden. Demonstranten befreiten zudem mehrere Politiker aus dem Gefängnis, darunter den wegen Korruption inhaftierten Ex-Präsidenten Almasbek Atambajew und den Oppositionellen Sadyr Schaparow.

Protestierende steckten Autos in Brand, Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, Tränengas und Blendgranaten gegen die Menschenmenge ein. Fast 600 Menschen wurden verletzt.

Rund 3,5 Millionen Wähler hatten am Sonntag über ein neues Parlament abgestimmt. Der Wahlkommission zufolge lagen zwei regierungsnahe Parteien vorn. Die Partei Birimdik (Einheit) erreichte demnach rund 25 Prozent der Stimmen. Die erst 2015 gegründete Partei Mekenim Kirgistan (Mein Vaterland Kirgistan) holte nach den Angaben fast 24 Prozent. Auch die OSZE sprach von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Stimmen sollen gekauft worden seien. Mehrere Oppositionsparteien hatten die Ergebnisse der Wahl nicht anerkannt und eine Neuwahl gefordert.

Staatspräsident Sooronbai Scheenbekow warf der Opposition den Versuch einer illegalen Machtergreifung vor. Diese habe die Ergebnisse der Wahl zum Anlass genommen, um Unruhe im Land zu stiften.

Kirgistan ist nach einigen Umstürzen eine parlamentarisch-präsidiale Republik. Nach dem Sturz von Präsident Kurmanbek Bakijew 2010 hatte die Politikerin Rosa Otunbajewa die Führung übernommen. Sie setzte in der von autoritären Staatschefs geprägten Region beispiellose Reformen durch. Gestärkt wurde dabei auch die Rolle des Parlaments.