Bangkok. Plötzlich band der Demonstrant ein weißes Armband um das Gelenk eines Polizisten. "Eines Tages, wenn Thailand ein besseres Landes ist, werden wir gemeinsam an einer Seite stehen", sagte der Demonstrant zu dem Ordnungshüter.

Tausende Thailänder haben sich am Donnerstag auch von dem nur ein paar Stunden zuvor verhängten Ausnahmezustand nicht abschrecken lassen und sind erneut auf die Straße gegangen, um für demokratische Reformen zu demonstrieren. Und offenbar will die von Studenten getragene Protestbewegung auch nicht so schnell aufgeben.

König Rama X. - © afp/Jewel Samad
König Rama X. - © afp/Jewel Samad

"Wie Hunde, die angegriffen werden, werden wir bis zu unserem Tod kämpfen", sagte Panupong Jadnok, einer der Anführer des Aufstandes. "Wir werden uns nicht zurückziehen! Wir werden nicht weglaufen!, rief er der jubelnden Menge dazu.

Der 23-jährige Aktivist ist einer der wenigen Protestführer, die noch auf freiem Fuß sind. Zuletzt gab es nach wochenlangen Protesten eine Verhaftungswelle unter führenden Aktivisten. Darüber hinaus versucht die Regierung von Premier Prayuth Chan-ocha, der einst Armeeführer war, den Aufstand durch die Verkündigung des Ausnahmezustandes zu brechen.

Versammlungen von mehr als vier Menschen in der Hauptstadt Bangkok sowie die Veröffentlichung von Botschaften im Internet, "welche die nationale Sicherheit beeinträchtigen können", sind damit verboten. Auch seien die Behörden ermächtigt worden, Kommunikationsgeräte, Daten und Waffen zu beschlagnahmen, wenn der Verdacht bestehe, dass damit zur derzeitigen "Notstandslage" beigetragen werde, verkündete ein Regierungssprecher. Bei der Demonstration am Donnerstag gab es bereits zahlreiche Verhaftungen.

Ein Streitpunkt ist die Wahl im Vorjahr. Die Protestbewegung sieht diese - im Gegensatz zu Premier Prayuth - als nicht fair an. Aber auch ganz generell fordern die Studenten eine umfassende Demokratisierung des 69-Millionen-Einwohner-Landes.

Prayuth war zunächst einer Militärdiktatur vorgestanden. Auch wenn er nun durch - umstrittene - Wahlen legitimiert ist, können die Armee und die königstreuen alteingesessenen Eliten aufgrund der Verfassung und der machtpolitischen Verhältnisse jederzeit demokratische Rechte beschneiden. Das zeigt die Ausrufung des Ausnahmezustandes.

Mit einer weiteren Kritik gehen die Demonstranten ein enorm hohes Risiko ein. Sie fordern, dass die Rolle des Königshauses neu definiert wird. Auch nur die leiseste Kritik an der Monarchie kann in Thailand wegen Majestätsbeleidigung mit bis zu 15 Jahren Haft belangt werden. Der derzeitige König Maha Vajiralongkorn (Rama X.) verbringt viel Zeit in Bayern und genießt nicht das Ansehen seines verstorbenen Vaters Bhumibol Adulyadei. Die Protestbewegung betont, dass sie die Monarchie nicht abschaffen, aber offen über sie diskutieren will.

Viele Teilnehmer der Demonstration in Bangkok haben betont, dass sie weiter marschieren wollen, bis sich Thailand demokratisiert hat. Allerdings gab es in dem südostasiatischen Land schon viele Aufstände - und am Ende behielt immer die gleiche Elite aus Armee, vermögenden Oberschichtfamilien und Royalisten die Oberhand.(red/reu/apa)