Washington. Der insolvente Pharmakonzern Purdue, gegen den tausende Klagen wegen des süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin laufen, hat sich mit der US-Regierung auf einen Vergleich geeinigt. Der Kompromiss sieht vor, dass das Unternehmen insgesamt mehr als 8,3 Milliarden Dollar (7,0 Milliarden Euro) zur Beilegung zivil- und strafrechtlicher Verfahren auf Bundesebene zahle, teilte das Justizministerium mit.

Purdue werde darüber hinaus ein Schuldgeständnis wegen Verstößen gegen mehrere Bundesgesetze der Vereinigten Staaten abgeben, unter anderem wegen Verschwörung zum Betrug. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Verantwortlichen dauern indes weiter an, betonte das Ministerium. Ob die Vergleichssumme gezahlt werden kann, ist allerdings unklar. Die Entscheidung, inwieweit dies möglich sei, liege letztlich beim zuständigen Insolvenzgericht, so Vize-Justizminister Jeffrey Rosen.

Purdue Pharma und deren Eigentümerfamilie Sackler wird vorgeworfen, Schmerzmittel unter Verschleierung von Suchtgefahren mit rücksichtslosen und aggressiven Methoden vermarktet zu haben.

Mehr als 450.000 Tote

Damit wurde aus Sicht der Kläger eine Basis für die Opioid-Epidemie in den USA gelegt, die nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC seit der Jahrtausendwende zu mehr als 450.000 Toten durch Überdosierungen führte und weiterhin in vielen Gegenden großes Unheil bereitet. Purdue war bereits 2007 wegen seiner Rolle in der Epidemie zur Rechenschaft gezogen worden, danach verschlimmerte sich die Opioid-Krise jedoch nur noch weiter.

Der nun erzielte Vergleich mit dem Justizministerium ist umstritten. Purdue hatte 2019 nach zahlreichen Klagen von amerikanischen Staaten, Städten und Counties Insolvenz beantragt. Die Kläger fordern Strafen und Entschädigungen in Milliarden-Dollar-Höhe, die im Kampf gegen die Schmerzmittelkrise aufgewandt wurden. Kritiker wie die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James sehen die Insolvenz als Manöver von Purdue Pharma, um sich aus der Verantwortung zu ziehen.

Das Vorgehen gegen Purdue Pharma ist auch ein politischer Konflikt zwischen der Demokratischen und der Republikanischen Partei. Während die Regierung von Donald Trump sich in der Schlussphase des Wahlkampfs einen vermeintlich großen Schlag gegen illegale Machenschaften in der Pharmabranche auf die Fahne schreiben will, wittern die oppositionellen Demokraten einen faulen Kompromiss. Statt die Sacklers angemessen zu bestrafen, erlaube der Deal mit dem Justizministerium es der Familie, ihre Milliarden zu behalten, empörte sich New Yorks Staatsanwältin James. Sie führt eine Allianz diverser gegen Purdue Pharma klagender US-Staaten an.

Mäzenatentum unerwünscht

Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzt das Vermögen der Familie auf 13 Milliarden Dollar (15,4 Milliarden Euro). Wegen der Kritik an den Sacklers hatten mehrere berühmte Museen die jahrelange Zusammenarbeit mit der für ihr Mäzenatentum bekannten Familie beendet, etwa das Metropolitan Museum in New York, die Tate Modern in London und der Louvre in Paris.(apa/dpa)