In Libyen haben sich die großen Bürgerkriegsparteien auf eine dauerhafte Waffenruhe im gesamten Land verständigt. Eine Übereinkunft wurde am Freitag nach Verhandlungen zwischen Vertretern der international anerkannten Regierung und des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar in Genf unterzeichnet. Die Fronten in dem an Öl- und Gasvorkommen reichen Land sind seit längerem erstarrt, da ein Vorstoß der von Russland und Ägypten unterstützten Truppen Haftars auf die Hauptstadt Tripolis gescheitert war.

Der Waffenruhe sollen kommenden Monat politische Gespräche in Tunesien folgen. Wie die amtierende Libyen-Beauftragte der UN, Stephanie Williams, weiter ausführte, gibt es gute Aussichten, dass die Anlagen von Ras Lanuf und Es Sider - bedeutende Öl-Verladeterminals am Mittelmeer - "in sehr kurzer Zeit" betriebsbereit sein könnten.

Erdogan meldet umgehend Zweifel an

Gemäß der Waffenruhe-Vereinbarung sollen Söldner und ausländische Kämpfer binnen drei Monaten das Land verlassen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der in dem Konflikt die Regierung in Tripolis militärisch unterstützt, meldete umgehend Zweifel am Bestand der Waffenruhe an. Er hoffe zwar, dass die Waffen dauerhaft schwiegen, ob dies so sei, sei aber fraglich. Die Zeit werde es weisen. In der Vergangenheit liefen viele diplomatische Bemühungen zur Lösung des unübersichtlichen Konflikts ins Leere - auch wegen der Zersplitterung des Spektrums der vielen Bürgerkriegsparteien.

EU begrüßt Waffenstillstand

Die EU hat die Einigung auf den Waffenstillstand in Libyen begrüßt und die Umsetzung als wichtige Voraussetzung für eine stärkere europäische Unterstützung des Landes bezeichnet. Die Vereinbarung sei ein Schlüsselelement für die Wiederaufnahme des politischen Friedensprozesses und diese wiederum sei Vorbedingung für zugesagte EU-Unterstützung, sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Freitag in Brüssel. (apa, reu, dpa)