Es ist ein neuer Höchstwert: Am Samstag ist mit 3614 SARS-CoV-2-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden in Österreich eine immense Steigerung von über 1.000 im Vergleich zum Vortag mit 2.571 vermeldet worden. Damit erreichte auch die Zahl der aktiven Fälle einen Höchststand von 20.273, wie aus den Zahlen von Innen- und Gesundheitsministerium (Stand 9.30 Uhr) hervorgeht.

Derzeit befinden sich 1.177 Personen aufgrund des Corona-Virus in krankenhäuslicher Behandlung, das ist ein Zuwachs von mehr als 100 Personen - 175 der Erkrankten sind auf Intensivstationen.

Allein im Bundesland Salzburg hat sich die Zahl der im Krankenhaus zu behandelnden Patienten in nur einer Woche mehr als verdoppelt. Mit Samstag wurden 74 Personen auf Normalstationen und elf auf Intensivstationen betreut. Sieben Tage zuvor waren es im Vergleich 34, die normal im Spital betreut wurden und elf, die Intensivbetreuung benötigten.

Debatte um Contact Tracing

Steigende Corona-Fallzahlen haben im Fall von Vorarlberg auch zu einer Contact-Tracing-Debatte geführt, deren Wogen sich am Samstagnachmittag wieder glätteten.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sieht die Nachverfolgung und Absonderung der engen Kontakte nach Corona-Infektionen in Vorarlberg weiterhin gesichert. Die vom Land tags zuvor gemeldete Einschränkung des Contact Tracing wertete Anschober in einer Aussendung am Samstag als "Missverständnis". Denn reduziert werde nur die über die Vorschriften hinausgehende direkte Befragung von K1- und K2-Kontaktpersonen.

AGES-Epidemiologin Daniela Schmid betonte zuvor im Ö1-Mittagsjournal, dass eine Reduktion des Contact Tracing keine Option sei. Die Nachverfolgung der Kontaktpersonen sei evidenzbasiert die effektivste Maßnahme gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2. Personelle Ressourcen wären zudem vorhanden. Wer das Contact Tracing aufgibt, gibt auch die Kontrolle über die Epidemie auf, sagte Schmid bereits am Freitag bei der Pressekonferenz zur Ampelschaltung. Eine Erhebung der APA in den Bundesländern ergab auch, dass die Nachverfolgung der Kontaktpersonen zwar schwieriger würde, diese jedoch weiterhin betrieben werde.

Slowenien setzt wegen der setigenden Zahlen ab Montag ganz Österreich mit Ausnahme von Kärnten auf die "rote Liste" von Ländern mit hohen Risiko für Corona-Infektionen. Das beschloss die slowenische Regierung am Freitagabend, wie die Nachrichtenagentur STA am Samstag berichtete. Demnach wird man bei der Einreise nach Slowenien einen negativen Covid-19-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen oder sich in zehntägige Quarantäne begeben müssen.

Neuer Höchtstand auch in den USA

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen weltweit steigt und steigt. Täglich werden weitere Negativrekorde gemeldet. In den USA erhöhte sich die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages erstmals seit Beginn der Pandemie auf mehr als 80.000. Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) verzeichnete dort am Freitag (Ortszeit) 83.757 neue Fälle, rund 12.000 mehr als noch am Vortag. Zehn Tage vor den US-Wahlen erreicht die Infektions-Welle somit einen neuen Höchststand.

US-Präsident Donald Trump hat trotz der Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen die Gefahren durch das Virus heruntergespielt. "Ich hatte es, hier bin ich", verkündete Trump in Anspielung auf seine Covid-19-Erkrankung bei einem Wahlkampfauftritt in Lumberton am Samstag. "Und jetzt sagen sie, dass ich immun bin."

Auch in Europa gehen die Werte steil nach oben. Belgien, das in Relation zur Einwohnerzahl zu den am stärksten von der Pandemie getroffenen Staaten in Europa zählt, registrierte diese Woche mit 15.432 Infektionen binnen eines Tages ebenfalls einen neuen Höchstwert. Noch schlimmer stellt sich die Lage in Tschechien dar.

In den USA mit ihren insgesamt rund 330 Millionen Einwohnern wurden nach JHU-Angaben seit Beginn der Pandemie knapp 8,5 Millionen Coronavirus-Infektionen bestätigt. Etwa 224.000 Menschen starben bisher - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Wenig besser ist die Lage in Indien mit 7,8 Millionen Infizierten und rund 118.000 Toten und Brasilien mit 5,3 Millionen Infizierten und mehr als 156.000 Toten.

Covid-Test in Ahmedabad in Indien. - © APAweb/ Reuters / Amit Dave
Covid-Test in Ahmedabad in Indien. - © APAweb/ Reuters / Amit Dave

In der EU verzeichnen Frankreich und Spanien mit jeweils mehr als einer Million Infizierten und über 34.000 Toten Negativrekorde. Noch mehr Tote gab es in Europa in Großbritannien (44.600) und Italien (mindestens 37.000). Europa (inklusive Russland) hat damit als zweite Region auf der Welt nach Lateinamerika mehr als 250.000 Corona-Todesfälle zu beklagen. Das ist ein Anteil von 19 Prozent an den global registrierten rund 1,1 Millionen Toten, wie aus einer Reuters-Erhebung aus offiziellen Daten hervorgegangen ist. Die höchste Sterberate weist Spanien auf. Die Zahl der nachgewiesenen Virus-Infektionen in Europa liegt inzwischen bei acht Millionen. Das ist rund ein Fünftel der Ansteckungen weltweit.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wütet die Pandemie in Belgien und Tschechien besonders heftig. Belgien hat nur 11,5 Millionen Einwohner und registriert trotzdem höhere Neuinfektionszahlen als Deutschland mit rund 83 Millionen Menschen. Die EU-Seuchenbehörde ECDC meldete am Samstag für Belgien pro 100 000 Einwohner binnen 14 Tagen 1.115,6 Neuinfektionen. Der Trend zeigt nach Angaben von Belga steil nach oben: Im Schnitt registrierte das staatliche Gesundheitsinstitut Sciensano in den sieben Tagen vom 14. bis 20. Oktober 11.201 neue Ansteckungen, 56 Prozent mehr als in der Woche davor. Gasthäuser und Restaurants im Land sind zu, es gelten eine nächtliche Ausgangssperre und strikte Kontaktbeschränkungen.

In Tschechien mit knapp 10,7 Millionen Einwohnern ist die Lage nicht besser: ECDC meldete am Samstag pro 100 000 Einwohner binnen 14 Tagen 1210,8 Neuinfektionen. Die Gesundheitsbehörden im Land meldeten mit 15.252 neuen Fällen binnen 24 Stunden den bisherigen Rekord-Zuwachs.

Polens Präsident positiv getestet

In Polen wurde Präsident Andrzej Duda positiv auf das Coronavirus getestet. Sein Sprecher Blazej Spychalski teilte am Samstag auf Twitter mit, der 48 Jahre alte Präsident fühle sich gut. "Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsdienst", schrieb Spychalski. Polen hatte am Freitag mit 13.600 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen neuen Höchststand gemeldet. Seit Samstag gelten im Land schärfere Maßnahmen. Unter anderem sind dort nun Restaurants geschlossen, Versammlungen mit mehr als fünf Personen verboten.

Nächtliche Ausgangssperre

Auch andere Staaten Europas greifen inzwischen zu einschneidenden Maßnahmen: In Frankreich gilt seit Samstag eine nächtliche Ausgangssperre in 54 Departements und dem Überseegebiet Französisch-Polynesien. Betroffen sind davon 46 Millionen Menschen - zwei Drittel der Bevölkerung. Am Samstag gab es in Frankreich mit 45.422 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wieder einen Rekord.

Im spanischen Corona-Hotspot Madrid gilt seit Samstag eine "nächtliche Schließung" zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr. In dieser Zeit sind öffentliche Zusammenkünfte und private Treffen mit nicht zum Haushalt gehörenden Menschen verboten. In Spanien zeichnet sich angesichts rasant steigender Corona-Zahlen eine Rückkehr zum Alarmzustand wie während der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr ab.

In Slowenien schließen die meisten Geschäfte, Hotels, Kindergärten, Studentenheime, Friseurgeschäfte und Schönheitssalons. In Lettland dürfen bei Veranstaltungen in Räumen nur noch maximal zehn Personen zusammenkommen.

Proteste in Italien

In Italien kam es zu Protesten. In der süditalienischen Metropole Neapel gingen in der Nacht auf Samstag hunderte Menschen gegen eine Ausgangssperre und einen geplanten Lockdown für die Region Kampanien auf die Straße. Es gab zwei Festnahmen, zwei Polizisten wurden leicht verletzt. Die Hauptstadtverwaltung in Rom kündigte die abendliche Schließung beliebter Treffpunkte an Wochenenden an, um Menschenansammlungen zu vermeiden: Freitag und Samstag von 21.00 Uhr bis Mitternacht sollen zentrale Plätze geschlossen bleiben.

Die Regierung in Wales erntete mit einem Verkaufsverbot für etliche Waren in Supermärkten massive Kritik. Als Teil eines temporären Lockdowns dürfen die Märkte nur noch "essenzielle Waren" verkaufen - selbst Geräte wie Wasserkocher oder Textilien wie Polster und Leintücher, aber auch Postkarten oder Geschirr sind in den Läden mit Plastikfolien oder anderen Barrieren abgesperrt.

In der Türkei hat sich der Bürgermeister der Millionenmetropole Istanbul, Ekrem Imamoglu, mit dem Coronavirus infiziert. Wie der 50 Jahre alte Oppositionspolitiker am Samstag via Twitter mitteilte, begab er sich Freitagabend mit hohem Fieber ins Krankenhaus.

Klitschko infiziert

In der Ukraine hat sich Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko vor seiner möglichen Wiederwahl als Bürgermeister in der Hauptstadt Kiew mit dem Coronavirus angesteckt. Das teilte der 49-Jährige am Samstagabend in mehreren sozialen Netzwerken mit. "Freunde! Das Coronavirus hat im unpassendsten Moment zugeschlagen", meinte er mit Blick auf den Wahlsonntag. "Ich fühle mich gut."

Er habe zwar versucht, sich zu schützen, aber die Arbeit als Bürgermeister in Pandemie-Zeiten bedeute auch ein ständiges Risiko. Er sei regelmäßig getestet worden und werde nun aus der Selbstisolation weiter arbeiten, teilte Klitschko mit. (apa)