Im Streit um Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed haben mehrere arabische Länder einen Boykott gegen Frankreich gestartet. Händler in Jordanien, Kuwait und Katar nahmen französische Waren aus ihren Filialen. Zugleich wuchs die Sorge vor sich verschlechternden Beziehungen zwischen der muslimischen Welt und Frankreich. Die einflussreiche Al-Azhar-Lehranstalt in Kairo warnte vor einer Kampagne gegen den Islam.

Hintergrund sind Aussagen von Emmanuel Macron. Frankreichs Präsident wirbt für einen Islam, der "mit den Werten der Republik" vereinbar ist. Die strikte Trennung von Staat und Kirche gilt als ein Grundprinzip der französischen Verfassung. Darüber hinaus hatte er sich am Mittwoch auf Seite derjenigen gestellt, die Mohammed-Karikaturen zeigen oder veröffentlichen wollen. Frankreich werde nicht "auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten, auch wenn andere sich davon zurückziehen", sagte Macron bei einer Gedenkfeier zu Ehren des getöteten Lehrers Samuel Paty. Dieser hatte die Karikaturen im Unterricht gezeigt, hatte es aber Schülern, die Gefühle duch die Karikaturen verletzt sehen könnten, freigestellt, den Klassenraum zu verlassen. Paty war daraufhin von einem 18-jährigen Tschetschenen mit Asylstatus, der zuvor von Islamisten im Internet aufgehetzt worden war, geköpft worden.

Die islamische Tradition verbietet es, den Propheten abzubilden. Für strenggläubige Muslime sind Filme oder Bilder, die den Propheten Mohammed als Person zeigen, anstößig und eine Form der Gotteslästerung. In Kuwait erklärten 50 Konsumgenossenschaften der Zeitung "Al-Kabas" zufolge, alle französischen Waren aus ihren Filialen entfernt zu haben. Auch in Katar erklärten Supermarkt-Ketten, französische Waren bis auf Weiteres zu entfernen. In sozialen Netzwerken waren Videos zu sehen, wie Mitarbeiter eines Supermarkts in Jordaniens Hauptstadt Amman französische Milchprodukte aus dem Kühlregal räumen. Nutzer verbreiteten im Internet die Namen französischer Marken und riefen zum Boykott auf, auch entsprechende Hashtags machten die Runde.

Auch in Vergangenheit Proteste und Morde

Mohammed-Karikaturen hatten schon mehrfach gewaltsame Proteste in der islamischen Welt ausgelöst - Anfang 2006 kamen dabei mehr als 150 Menschen ums Leben. Auslöser waren damals Karikaturen der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten". 2015 waren bei einem Attentat auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo", das ebenfalls Karikaturen des Propheten gezeigt hatte, zwölf Menschen ermordet worden.

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) verurteilte die Veröffentlichung satirischer Karikaturen, die den Propheten zeigen. Solch ein Verhalten "beschädige die muslimisch-französischen Beziehungen". Der Großimam von Kairo, Ahmad Al-Tayyeb, sprach von einer systematischen Kampagne, die den Islam in politische Kämpfe drängen solle. Das jordanische Außenministerium erklärte, dass die Veröffentlichungen die Gefühle von Muslimen verletzten.

Der erste, der Macron angegriffen hatte,, war der türksiche Präsident Recep Tayyip Erdogan gewesen, der Macron "Islamfeindlichkeit" vorgeworfen hatte. Der Élysée merkte daraufhin an, dass nach der Ermordung Patys keine "Botschaft des Beileids und der Unterstützung" vonseiten Erdogans erfolgt sei.

Brief an Facebook

Auch der pakistanische Premier Imre Khan hatte Macron wegen seiner Äußerungen zu den Karikaturen kritisiert. Nun forderte Khan auch ein Verbot isslamophober Inhalte auf Facebook. Die pakistansiche Regierung veröffetnlichte einen entsprechenden Brief.

Er forderte ein Verbot wie für die Holocaust-Leugnung, die vor knapp zwei Wochen auf der Plattform angekündigt wurde. Er schätze diesen Schritt sehr. Der Holocaust sei der Höhepunkt "des Nazi-Pogroms gegen die Juden in Deutschland und in ganz Europa" gewesen, schrieb der Ex-Cricketstar weiter. "Heute erleben wir jedoch ein ähnliches Pogrom gegen Muslime in verschiedenen Teilen der Welt". (apa, red)