Für Donald Trump, der den Erfolg seiner Präsidentschaft immer auch an der Konjunkturentwicklung gemessen hat, könnte es wenige Tage vor der Wahl am 3. November wohl kaum bessere Nachrichten geben. Denn laut den am Donnerstag veröffentlichen Daten des Handelsministeriums hat die US-Wirtschaft nach dem coronabedingten Einbruch im Frühjahr im Sommerquartal wieder kräftig Boden gutgemacht. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September auf das Jahr hochgerechnet im Rekordtempo um 33,1 Prozent. Experten hatten nach einem Minus von 31,4 Prozent im Frühjahr lediglich mit einem Zuwachs von 31 Prozent gerechnet. Als Motor des Aufschwungs erwies sich dabei der Konsum, der stark zulegte. Aber auch Exporte und Investitionen gingen im Sommer kräftig nach oben.

Doch auch wenn sich im Sommer eine konjunkturelle Besserung abzeichnete, machen sich angesichts des Corona-Infektionsgeschehens schon wieder Ängste vor einem erneuten Rückschlag für die Wirtschaft breit. Dies setzte zuletzt auch der Wall Street zu. Für viele Wähler wird daher auch entscheidend sein, welche wirtschaftliche Stoßrichtung Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden wollen. Ein Überblick über die Programme der beiden Kandidaten:

Generelle Ausrichtung

Trump: Bei seiner Amtseinführung hat der Präsident die "America first"-Politik angekündigt, mit deren Hilfe die heimische Industrie wiederbelebt und "unfaire" ausländische Konkurrenz in die Schranken gewiesen werden sollte. Er hat damit auch seine Republikanische Partei umgekrempelt, die bis dahin als Verfechterin eines freien Welthandels galt. Mit Strafzöllen gegen Importe aus China, der EU und Kanada hat Trump versucht, das enorme Defizit in der US-Handelsbilanz zu schließen - mit mäßigem Erfolg.

Biden: Der Demokrat kündigt in seiner "Buy American"-Initiative an, die Nachfrage nach heimischen Industrieprodukten durch eine staatliche Beschaffungsinitiative und den Ausbau der Infrastruktur mit 400 Milliarden Dollar anzukurbeln. Mit einer Mischung aus spezifischen Anreizen und neuen Finanzierungsinstrumenten unter dem Schlagwort "Made in All of America" sollen speziell kleinere Unternehmen gefördert werden. Biden stellt zudem 300 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung in Aussicht - etwa in den Bereichen 5G, Elektromobilität und Künstliche Intelligenz.

Steuern

Trump: Der vielleicht größte Erfolg seiner Amtszeit ist die Senkung der Unternehmensteuern 2017. Mit der Reform wurden die Steuersätze von 35 auf 21 Prozent zurückgesetzt. Wesentlich strittiger ist die Senkung der Einkommensteuern, von denen Kritikern zufolge vor allem Reiche profitieren. Diese läuft eigentlich Ende 2025 aus. Bleibt Trump Präsident, so will er die Senkung dauerhaft verankern. Das soll finanziert werden, indem zugleich staatliche Ausgaben zurückgefahren werden. Zudem will Trump Unternehmen gezielt fördern, die ihre Produktion aus China zurück ins Heimatland verlagern.

Biden: Der Demokrat will die Unternehmensteuern anheben, und zwar auf 28 Prozent. Das läge in der Mitte zwischen dem aktuellen Niveau und dem vor Trumps Steuerreform. Zugleich will der Demokrat die Reichen stärker zur Kasse bitten: Der Spitzensteuersatz soll von 37 Prozent auf das alte Niveau von 39,6 Prozent angehoben und zugleich Steuerschlupflöcher geschlossen werden. Einkommen von unter 400.000 Dollar pro Jahr will Biden von Steuererhöhungen verschonen, was auf mehr als 98 Prozent der Haushalte zutrifft. Zwischen 2,4 und 3,4 Billionen Dollar könnten Berechnungen von US-Instituten zufolge dadurch binnen eines Jahrzehnts an Mehreinnahmen generiert werden.

Handelspolitik

Trump: 2018 und 2019 hat er Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 370 Milliarden Dollar verhängt. Das hat die US-Importeure nach Angaben der US-Zoll- und Grenzschutzbehörden bisher rund 61,6 Milliarden Dollar gekostet. Experten machen dies mitverantwortlich dafür, dass die Wettbewerbsfähigkeit der US-Hersteller gelitten hat. Trump ist aber auch gegen Verbündete vorgegangen: Die Zölle auf Stahl, Aluminium, Waschmaschinen und diverse Waren aus der EU führten bis zum 2. September zu weiteren 12,2 Milliarden Dollar an Strafenangaben. Im Raum steht auch immer wieder Trumps Drohung, die europäischen Autohersteller mit höheren Zöllen zu belegen.

Biden: "Ich werde Zölle einsetzen, wenn sie gebraucht werden, aber der Unterschied zwischen Trump und mir besteht darin, dass ich eine Strategie haben werde, um mit diesen Zöllen zu gewinnen, und nicht nur, um Härte vorzutäuschen", schrieb Biden im Mai an die Gewerkschaft United Steelworkers. Die Stahl- und Aluminiumzölle würden so lange bestehen bleiben, bis eine globale Lösung zur Begrenzung der Überproduktion - weitgehend in China zentriert - ausgehandelt werden kann. Als bekennender Transatlantiker ist Biden aber auch an einem besseren Verhältnis zu Europa gelegen. Dass er Strafzölle auf Importe europäischer Autos androht, wie sein Rivale Trump es regelmäßig tut, gilt als wenig wahrscheinlich. Vielmehr dürfte er versuchen, die europäischen Partner einzuspannen, um gemeinsam den Aufstieg Chinas zu bremsen.

Klimapolitik

Trump: "Wir bringen die Kohleindustrie zu 100 Prozent zurück", hatte Trump im vorangegangenen Wahlkampf versprochen. Obwohl er Umweltauflagen seines Vorgängers Barack Obama zurückgenommen hat, konnte er den Niedergang der Kohleindustrie aber nicht stoppen. Seit 2010 wurden in den USA 252 Kohlekraftwerke geschlossen, darunter allein 66 seit der Amtseinführung Trumps. Auch als Freund der Ölindustrie ist er bekannt, hat auch hier Umwelt- und Klimaauflagen abgeschafft - etwa, indem die Förderung fossiler Energieträger auf bundeseigenem Land gestattet wurde. Die Erderwärmung hat der Präsident als "Schwindel" bezeichnet und 2017 das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt.

Biden: Mit zwei Billionen Dollar will der Demokrat in den kommenden vier Jahren den Ausbau einer klimaschonenden Infrastruktur fördern - von alternativen Antriebsstoffen wie Elektromobilität bis hin zu grünem Wasserstoff. Auch die Solar- und Windenergie sollen gefördert werden. Bidens Ziel ist es, dass die USA bis spätestens 2050 klimaneutral werden.(reuters)