In Frankreich haben rund 12 Millionen Schülerinnen und Schüler mit einer Schweigeminute an den brutal ermordeten Lehrer Samuel Paty erinnert. Zum Schulstart nach den Herbstferien gab es am Montag Gedenkveranstaltungen in den Schulen des Landes für Paty, der Opfer einer Terrorattacke wurde. "Wir sind Frankreich! Wir werden zusammenhalten", schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einer Botschaft in sozialen Netzwerken.

Gleichzeitig reißen die anti-französischen Proteste gegen Macron im Streit um Karikaturen des Propheten Mohammed nicht ab.

Paty war Mitte Oktober von einem 18-Jährigen Tschetschenen getötet worden, weil er im Unterricht zum Thema Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Der Täter war zuvor von Islamisten im Internet aufgehetzt worden. Patys Leiche war enthauptet aufgefunden worden. Die Tat hatte in Frankreich riesiges Entsetzen ausgelöst. Keine zwei Wochen später starben bei einer Messerattacke in einer Kirche in Nizza drei Menschen, auch hier geht die Staatsanwaltschaft von einem islamistischen Anschlag aus und schreibt die Tat einem 21-jährigen Tunesier zu.

Unterrichtsministerin Sarah El Hairy (2. v .r ) beim Besuch einer französischen Schule, in der des ermodeten Lehrers Paty gedacht wurde.  - © APAweb / AFP
Unterrichtsministerin Sarah El Hairy (2. v .r ) beim Besuch einer französischen Schule, in der des ermodeten Lehrers Paty gedacht wurde.  - © APAweb / AFP

Macron hatte nach dem Mord an Paty die Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Karikaturen verteidigt. Daraufhin war es in zahlreichen muslimischen Ländern zu Protesten gekommen. Vor der französischen Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta demonstrierten am Montag rund 400 Menschen. Tausende Muslime protestierten auch in Bangladesch. Sie forderten einen Boykott französischer Waren und einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Bangladesch und Frankreich.

Ermittlungen auch in Deutschland

In Deutschland ermittelt die Polizei wegen eines anti-französischen Vorfalls im Berliner Bezirk Neukölln. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein Mann mit einer Macron-Maske an einem Strick von einem weiteren Mann in traditioneller arabischer Kleidung über die Sonnenallee gezogen und gedemütigt wird. Das Landeskriminalamt ermittelt zu dem Fall. Es werde geprüft, ob es sich bei der Aktion um eine Straftat handeln könnte, hieß es.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nahmen Macron unterdessen in Schutz. "Er will nicht, dass Muslime im Westen gettoisiert werden und damit hat er recht", sagte der VAE-Staatsminister für Auswärtiges, Anwar Gargash, der "Welt". Frankreich habe das Recht, nach Wegen zu suchen, um Muslime zu integrieren und Militanz zu bekämpfen. Der Kronprinz Abu Dhabis, Scheich Mohammed bin Said Al Nahyan, verurteilte in einem Telefonat mit Macron die Terroranschläge in Frankreich, wie die emiratische Agentur WAM meldete.

Macron hatte am Wochenende in einem Interview mit dem arabischen Sender Al-Jazeera erneut die Pressefreiheit verteidigt. Frankreich bekämpfe den Terrorismus, der im Namen des Islam begangen werde - nicht aber den Islam selbst, sagte er. Nach drei Terrorangriffen in den vergangenen Wochen mit mehreren Toten hat die französische Regierung den Schutz von Schulen oder Gotteshäusern verstärkt. Dazu werden auch Soldaten der Anti-Terrormission "Sentinelle" eingesetzt.

Es gebe zwar keine gezielte Bedrohung gegen Schulen, sagte Innenminister Gérald Darmanin dem Sender BFM TV. Aber es gebe eine allgemeine terroristische Bedrohung. "Wir hatten drei Terroranschläge in einem Monat, es war eine Abfolge, die wir seit 2015 nicht mehr erlebt hatten", sagte Darmanin. Er kündigte zudem ein Verbot der rechtsextremen türkischen Bewegung "Graue Wölfe" an.

Bereits Ende September hatte ein Angreifer zwei Menschen vor der ehemaligen Redaktion des Satireblatts "Charlie Hebdo" verletzt - auch hier war das Motiv die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen. Derzeit läuft der Prozess gegen die mutmaßlichen Helfershelfer jener Attentäter, die im Jänner 2015 bei einem Angriff auf die "Charlie-Hebdo"-Redaktion und auf einen koscheren Supermarkt in Paris insgesamt 15 Menschen getötet hatten. (apa, dpa)