Der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden haben sich bei der US-Präsidentschaftswahl ein hartes Rennen um die Swing States geliefert. Stunden nach Wahlschluss in den wichtigsten Swing States gab es weiterhin keine Entscheidung. Biden und Trump erhielten ihre jeweiligen Hochburgen zugesprochen. Während Trump zudem  in Florida gewann, konnte Biden Arizona für sich entscheiden. Trump konnte zuletzt auch Iowa und Ohio gewinnen. Auch die langjährige republikanische Hochburg Texas, auf die sich zuletzt auch die Demokraten Hoffnung gemacht haben, fiel an den Präsidenten. Ohne die Stimmen des bevölkerungsreichen südlichen Bundesstaats wäre es für Trump fast unmöglich, die Präsidentenwahl zu gewinnen.

Die Wahl entscheiden werden nun die im Rust Belt gelegenen Staaten Michigan, Wisconsin und Pennsylvania. Ein Endergebnis wird es dort auf Grund der noch andauernden Auszählung der vielen Briefwahlstimmen am Mittwoch aber nicht mehr geben.

Nach Wahlschluss an der Westküste hatte Biden erwartungsgemäß einen großen Schritt in Richtung der Mehrheit im Wahlkollegium gemacht, indem er die Staaten Kalifornien (55), Washington (12) und Oregon (7) zugesprochen bekam. Nach einem weiteren Sieg in Minnesota (10) hielt er bei 220 Wahlleuten, womit ihm nur noch 47 auf den Sieg fehlten. Für den Sieg sind 270 Elektorenstimmen erforderlich.

Trump konnte jedoch danach mit der Entscheidung in Florida (29), Ohio (18) und Iowa (6) und Texas auf 213 Wahlleute zulegen. Der Amtsinhaber lag auch in den meisten anderen Staaten besser als der Herausforderer. Dennoch hat Trump den oppositionellen Demokraten einmal mehr vorgeworfen, sie wollten ihm den Wahlsieg "stehlen". Trump schrieb am Mittwoch im Onlinedienst Twitter: "Wir sind weit vorne, aber sie versuchen, die Wahl zu stehlen."

Weiße Männer und Latinos

Erste Wählerbefragungen vom Dienstag zeigen, dass einerseits wichtige Grundpfeiler der Basis des republikanischen Amtsinhabers Donald Trump ins Wanken geraten. Andererseits schnitt er gleichzeitig bei der rasant wachsenden und damit immer wichtiger werdenden Wählergruppe der Latinos besser ab als vor vier Jahren.

 Ausgerechnet bei weißen Männern und Senioren konnte Trump zumindest in einigen Bundesstaaten nicht so gut punkten wie 2016. Das ergeben Nachwahlbefragungen der Experten von Edison Research. Einige Wähler gaben an, zu Biden übergelaufen zu sein, auch wenn Trump unter dem Strich bei diesen Gruppen immer noch besser abschnitt als der Kandidat der Demokraten. In Georgia etwa stimmten sieben von zehn weißen Männern für Trump. 2016 waren es noch acht, als Trump gegen Hillary Clinton gewann. Ähnlich sieht es bei den Wählern aus, die 65 oder älter sind. Sechs von zehn wählten Trump, vor vier Jahren waren es sieben von zehn. In Virginia zeichnete sich ein ähnliches Bild ab.

Im umkämpften Florida aber gaben wie 2016 unverändert sechs von zehn weißen Wählern an, für Trump gestimmt zu haben. Außerdem wählten ihn die Hälfte aller Latinos. Bei der vergangenen Präsidentenwahl waren es nur vier von zehn. Seinen Pflichtsieg im Sunshine-State dürfte Trump also vor allem den Latinos verdanken. Seine Strategie, mit einer harten Politik gegen Kuba die zahlreichen kubanisch-stämmigen Wähler im bevölkerungsreichen Süden Floridas, von denen viele einst von der kommunistisch regierten Karibikinsel flohen, auf seine Seite zu ziehen, wäre also aufgegangen. Alles in allem stimmten drei von zehn nicht-weißen Wählern für Trump. Gegen Clinton waren es nur zwei von zehn.

Trump führte in Florida (29 Wahlmänner) mit 51,3 zu 47,8 Prozent der Stimmen, nachdem über 90 Prozent der Stimmen ausgezählt wurden. Der konservative Sender Fox News erklärte den Amtsinhaber in der Früh bereits zum Sieger in dessen Heimatstaat. In Ohio (18) war Trump mit 52,8 zu 45,8 Prozent vorne (Auszählungstand 88 Prozent), in North Carolina (15) mit 50 zu 48,8 Prozent (Auszählungsstand 93 Prozent). Alle drei Staaten hatte Trump vor vier Jahren gewonnen. Beobachter wiesen jedoch darauf hin, dass Biden durch die Auszählung von Briefwahlstimmen noch aufholen könnte.

In den wichtigen Staaten des Rostgürtels, in den Trump vor vier Jahren die entscheidenden Stimmen für seinen Sieg gesammelt hatte, waren außer in Ohio noch keine belastbaren Trends feststellbar. In Wisconsin, Michigan und Pennsylvania führte der Amtsinhaber zum Teil deutlich, doch beruhten diese Ergebnisse hauptsächlich auf der Urnenwahl vom Dienstag. Die Biden-Anhänger hatten aber Umfragen zufolge überwiegend von der Briefwahl Gebrauch gemacht, weswegen eine deutliche Verbesserung des Stimmenanteils des Herausforderers erwartet wurde.Neben dem Präsidenten wurde am Dienstag auch der Kongress gewählt. Laut mehreren Fernsehsendern dürften die Demokraten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus nicht nur halten, sondern sogar ausbauen können. Im Senat sah es hingegen besser aus für die Republikaner. Hier konnten gefährdete Schwergewichte wie der Mehrheitsführer Mitch McConnell (Kentucky) und der Chef des Justizausschusses Lindsey Graham (South Carolina) ihre Senatssitze halten. In Colorado konnte der demokratische Ex-Gouverneur John Hickenlooper den republikanischen Amtsinhaber Cory Gardner verdrängen. Dafür verlor der demokratische Senator Doug Jones in Alabama gegen den republikanischen Ex-Football-Coach Tommy Tuberville. (apa, dpa, reuters)