Der Rust Belt war bei dieser Wahl die große Hoffnung für Joe Biden. Die alten Industrieregionen im Nordosten, die bei der Wahl 2016 mit fliegenden Fahnen von den Demokraten zu Donald Trump und seinen Repulikaner übergelaufen sind, sollten dem 77-jährigen Herausforderer den Weg ins Weißen Haus ebnen.

Und laut den Umfragen hatte die Hoffnung, dass die einst so feste Blue Wall - blau ist die Farbe der Demokraten - in Michigian, Wisconsin, Ohio und Pennsylvania wieder aufgebaut werden kann, auch durchaus ihre Berechtigung. Abgesehen von  Ohio lag Biden in den allermeisten Wählerbefragungen überall klar voran.

Der erhoffte Durchmarsch von Biden ist am Wahltag ist allerdings ausgeblieben. In Wisconsin hat sich Joe Biden vor Donald Trump geschoben. Laut Edison Research kommt der Demokrat nach Auszählung von 97 Prozent der Wählerstimmen auf 49,5 Prozent und Trump auf 48,8 Prozent. In Michigan schmolz der Vorsprung von Donald Trump nur allmählich. Laut Edison Research kommt Trump nach Auszählung von 89 Prozent der Wählerstimmen nunmehr auf 49,1 Prozent, auf Biden entfallen demnach 49,2 Prozent.

Damit hängt alles von den noch auszuzählenden Briefwahlstimmen ab - und zwar nicht nur in den drei betrofffenen Staaten. Nachdem alle andern Staaten schon fertig ausgezählt sind oder es eine ganze klare Tendenz für einen Kandidaten gibt, entscheidet sich in Michigan, Pennsylvania und Wisconsin auch die gesamte Präsidentschaftswahl. Biden muss zumindest einen der drei Staaten gewinnen, um das Rennen noch zu machen.

Es folgt ein Überblick über die Lage in den wichtigen Schlüsselstaaten und wann dort möglicherweise ein Ergebnis zu erwarten wäre:


 

Pennsylvania (20 Wahlleute)

Der Bundesstaat, der zu der als Rostgürtel bekannten Industrieregion im Norden der USA gehört, ist besonders umkämpft - und könnte in diesem Jahr die Wahl entscheiden. Sowohl Trump als auch sein Herausforderer Joe Biden von den Demokraten haben hier in den vergangenen Wochen wiederholt Wahlkampfveranstaltungen abgehalten. 2016 siegte Trump in Pennsylvania überraschend mit einem Vorsprung von nur 0,7 Prozentpunkten. In diesem Jahr lag Biden, der in der Stadt Scranton in Pennsylvania geboren wurde, im Umfrageschnitt vor der Wahl zwischen drei und fünf Punkten vor Trump.

In Pennsylvania lag Trump in der Wahlnacht bei der laufenden Stimm-Auszählung zwar klar vor Biden. In dem Bundesstaat hatten aber - wie in den USA insgesamt - viele Wähler per Brief im Vorausb gewählt. Nach Angaben der Website Elections Project waren mehr als 60 Prozent von ihnen als Wähler der Demokraten registriert, und diese Stimmen waren zu großen Teilen zunächst noch nicht ausgezählt.

Trump-Gegner gingen daher davon aus, dass sich das Ergebnis noch gewaltig zugunsten von Biden verschieben könnte. Mit einer endgültigen Auszählung der Stimmen wurde frühestens am Donnerstag, womöglich sogar erst am Freitag gerechnet. Briefwahl-Stimmen können dort sogar noch bis zu drei Tage nach dem Wahltag gezählt werden, wenn sie den Poststempel vom 3. November tragen.

 

Michigan (16 Wahlleute)

Der an den Großen Seen gelegene Bundesstaat mit der Autometropole Detroit gehört ebenfalls zum Rostgürtel. Trump hatte das eigentlich demokratisch geprägte Michigan 2016 mit nur 0,2 Prozentpunkten - weniger als 11.000 Stimmen - Differenz gewonnen. Zuletzt stand der Bundesstaat im Zentrum der Aufmerksamkeit, weil rechte Extremisten die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer entführen wollten, die immer wieder Ziel von Attacken des Präsidenten ist. Im Umfrageschnitt hatte Biden dort vor der Wahl einen Vorsprung von fünf bis acht Punkten.

In Michigan lag Trump in der Wahlnacht bei den Ergebnissen zwar zeitweise mit über 51 Prozent vor Biden. Ausgezählt waren da aber rund 20 Prozent Stimmen noch nicht. Nach Auszählung von 89 Prozent drehte sich das Bild aber: Biden ging in Führung.

 

Wisconsin (10 Wahlleute)

Clinton versäumte es 2016, dem Bundesstaat im Wahlkampf einen Besuch abzustatten, so fest glaubte sie an einen Erfolg. Ein Fehler: Trump gewann Wisconsin mit nur rund 22.700 Stimmen Vorsprung. Die Demokraten hielten im August ihren - wegen Corona letztlich weitestgehend virtuell ausgetragenen Parteitag - in Wisconsin ab, ein Zeichen, wie wichtig sie den Bundesstaat nahmen. Im Umfrageschnitt hatte Biden vor der Wahl hier zwischen sechs und acht Prozentpunkte Vorsprung.

In der Wahlnacht lag zunächst Trump bei der Stimmeauszählung vorne, dann kam Biden immer näher an seinen Rivalen heran. Am frühen Mittwochmorgen, als schon rund 90 Prozent der Stimmen ausgezählt waren, zog Biden laut CNN sogar knapp an Trump vorbei. Wer bei der Wahl die meisten Stimmen in einem Bundesstaat bekommt, dem werden in den USA alle Wahlleute zugeschlagen, die für die Präsidenten-Mehrheit entscheidend sind - selbst wenn am Ende nur wenige hundert Stimmen den Ausschlag geben sollten.

North Carolina (15 Wahlleute)

Trump und Biden lieferten sich auch in dem konservativ geprägten Bundesstaat an der US-Ostküste ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Republikaner hielten hier ihren - wie bei den Demokraten letztlich weitgehend virtuell ausgetragenen - Parteitag ab. Im Durchschnitt lag Biden hier vor der Wahl rund fünf Prozentpunkte vor Trump.

Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen war der Abstand zwischen beiden am Mittwochmorgen recht knapp. Mit einem Ergebnis wurde ursprünglich noch in der Wahlnacht gerechnet, am Mittwochmorgen lag dies aber immer noch nicht vor.

Georgia (16 Wahlleute)

Auch der Südstaat Georgia ist seit Jahrzehnten fest in Republikaner-Hand, aber auch hier ist die demokratische Wählerschaft angewachsen. Biden machte sich deswegen Hoffnung auf einen möglichen Erfolg. In Umfragen vor der Wahl lagen Biden und Trump etwa gleichauf.

Und tatsächlich: In der Wahlnacht hatte Trump nur einen kleinen Vorsprung vor Biden, wobei dort schon über 90 Prozent der Stimmen ausgezählt waren. Mit einem Ergebnis wurde aber erst am Tag nach der Wahl gerechnet, weil laut CNN ein wichtiger Bezirk, zu dem Atlanta und seine bevölkerungsreichen Vorstädte gehören, die Stimmenauszählung unterbrach und erst am Mittwoch um 08.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr MEZ) fortsetzen wollte.

 

Warten auf Entscheidung

Entschieden wird die Wahl damit möglicherweise  erst am Freitag denn Michigan und Wisconsin werden am Mittwoch wohl nicht mit der Auszählung ihrer Stimmen fertig werden. Michigan hat 16 Wahlmänner zur Verfügung, Wisconsin 10. Pennsylvania, der größte verbleibende Unsicherheitsfaktor, beginnt erst am Tag nach dem Wahltag überhaupt mit der Auszählung der Briefwahlkarten. In Pennsylvania sind 20 Wahlmänner zu holen. 270 Wahlmänner braucht ein Kandidat, um ins Weiße Haus einzuziehen. (apa, dpa, red.)