Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hat weitere Luftangriffe in der abtrünnigen Region Tigray im Norden des Landes angekündigt. "Unser Einsatz zielt darauf ab, die schon viel zu lang andauernde Gesetzlosigkeit zu beenden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", erklärte Abiy am Samstag auf Twitter. Wegen der Eskalation wachsen Befürchtungen, dass nicht nur das Land, sondern die gesamte Region am Horn von Afrika destabilisiert werden könnte. Unterdessen hat das Oberhaus des Parlaments für die Einrichtung einer regionalen Übergangsregierung gestimmt. Der Beschluss ebnet den Weg für die Absetzung der politischen Führung von Tigray und ermöglicht es der Regierung Ahmeds, direkt in die Angelegenheiten der Region einzugreifen.

Der Sudan schloss als Vorsichtsmaßnahme bereits seine Grenzen zu Äthiopien, wie die amtliche Agentur Suna am Samstag berichtete. In Tigray liefert sich die Zentralregierung einen Konflikt mit einer ethnischen Gruppe, die das Land über Jahrzehnte beherrschte. In der Region regiert die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), einst die dominante politische Kraft im Land. Die Regierung von Tigray hatte am Donnerstag erklärt, sie sei auf einen Angriff jedweder Art gut vorbereitet.

Seit April 2018 Ministerpräsident

Abiy ist seit April 2018 Ministerpräsident Äthiopiens. Der von ihm gebildeten Einheitsregierung trat die TPLF seinerzeit nicht bei. Die Spannungen mit der TPLF nehmen seit September zu, als in Tigray gewählt wurde, was die Zentralregierung als illegal bezeichnete. Seitdem werfen sich beide Seiten vor, einen militärischen Konflikt heraufzubeschwören.

Abiy wurde für seine Bemühungen um eine Aussöhnung mit dem benachbarten Eritrea 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er hat Äthiopien mit seinen 110 Millionen Bewohnern zudem wirtschaftlich und politisch geöffnet, die ethnischen Unruhen aber nicht in den Griff bekommen.

Die katholischen Bischöfe des Landes warnen unterdessen vor der Gefahr eines Bürgerkriegs. "Wir fordern die Parteien nachdrücklich auf, ihre Differenzen im Geiste des Respekts, des Verständnisses und des gegenseitigen Vertrauens gütlich beizulegen", so der dringende Aufruf der Bischöfe laut einen Bericht der Kathpress. Die Spannungen seien zuletzt trotz aller Bemühungen von religiösen und zivilgesellschaftlichen Führungspersönlichkeiten um die Entschärfung des anhaltenden Konflikts eskaliert. (apa)