Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach dem Sieg Joe Bidens bei der US-Präsidentenwahl einen neuen transatlantischen Schulterschluss gefordert. "Die USA und Deutschland als Teil der EU müssen zusammenstehen, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen", sagte Merkel am Montag in Berlin. Man müsse "Seite an Seite" die Corona-Krise, die Erderwärmung und den internationalen Terrorismus bewältigen und für eine "offene Weltwirtschaft und freien Handel" kämpfen.

Dies sei die Grundlage des Wohlstands auf beiden Seiten des Atlantiks. Deutschland und die EU wüssten, dass sie dabei mehr eigene Verantwortung übernehmen müssten. Die Regierungen Chinas und Russlands reagierten dagegen zurückhaltend aus den US-Wahlausgang.

Merkel hatte wie andere EU-Regierungschefs Biden bereits am Samstag zum Wahlsieg gratuliert. Bei einem Auftritt im Kanzleramt betonte sie nun, dass sie sich auf die Zusammenarbeit mit Biden und der designierten US-Vizepräsidentin Kamala Harris freue. Biden bringe viel Erfahrung in der Innen- wie der Außenpolitik mit. "Er kennt Deutschland und Europa gut. Ich erinnere mich gerne an gute Gespräche und Begegnungen mit ihm", betonte Merkel. "Ebenso herzlich" gratulierte sie der designierten Vizepräsidentin. "Als erste Frau in diesem Amt und als Kind zweier Einwanderer ist sie für viele Menschen eine Inspiration, ein Beispiel für die Möglichkeiten Amerikas", sagte Merkel. Sie freue sich darauf, Harris kennenzulernen.

China und Russland warten auf offizielles Ergebnis

Merkels Reaktion steht im Kontrast zur Reaktion der Atommächte China und Russland. Man sehe, dass Biden sich zum Wahlsieger erklärt habe, sagt ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums in Peking. "Wir verstehen, dass das Ergebnis der US-Präsidentenwahl entsprechend der US-Gesetze und Prozeduren bestimmt wird." 2016 hatte Chinas Präsident Xi Jinping dem damaligen Wahlsieger Donald Trump bereits einen Tag nach der Wahl gratuliert. Auch ein Sprecher des russischen Präsidenten teilte mit, dass man sich erst äußern werde, wenn ein offizielles Endergebnis vorliege. (Reuters)