Donald Trump hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sich als Siegertyp inszeniert. Wenn er einmal nicht gewinnt, dann stimmt wohl etwas mit den Regeln nicht. Schon vor vier Jahren, als Trump tatsächlich die Mehrheit der Wahlmänner gewonnen hatte, störte es ihn maßlos, dass er Hillary Clinton bei der Anzahl der abgegebenen Stimmen unterlag. Der Popular Vote ging an die Demokratin. Und so trommelte der Wahlsieger von 2016 den Wahlbetrug auf seine Großveranstaltungen, fantasierte von illegalen Migranten, die für Clinton gestimmt haben - und hat eine Wahlbetrugskommission ins Leben gerufen, um das Ergebnis noch einmal abzuklopfen.

Diese Wahlkommission konnte das gewünschte Ergebnis nicht finden - und musste sich auflösen. Nicht ohne, dass ihr seitens anderer Verwaltungsbediensteten vorgeworfen worden wäre, sie hätte eine gewisse Schlagseite bei ihren Ermittlungen entwickelt, und ihre Befugnisse oft überschritten.

Bekanntlich behauptet Donald Trump auch diesmal, vier Jahre später, dass es zu Wahlbetrug gekommen wäre. Diesmal hat er nicht nur den Popular Vote verloren, sondern auch die Wahlmänner sind diesmal deutlich auf der Seite der Demokraten. Joe Biden kommt am Mittwoch bereits auf 279 Wahlmänner - nur 270 sind für den Sieg notwendig. Es sind allerdings noch nicht alle Wahlkarten ausgezählt, coronabedingt geht es dieses Wahljahr etwas langsamer zu, als bei den Urnengängen in der Vergangenheit.

Seit sich abzeichnete, dass Biden die Führung übernommen hatte, trommelten die Republikaner wieder den Wahlbetrug - vor allem in jenen Bundesstaaten, die an Joe Biden gegangen sind.

Die "New York Times" rückte nun eine Woche nach der Wahl zum Rundruf aus. Die Zuständigen in allen 49 Bundesstaaten (Washington D.C. wählt nicht) wurden angerufen. Das Ergebnis: Es gibt keine Hinweise auf Wahlbetrug.

Bei den dazu befragten Repräsentanten handelt es sich sowohl um Demokraten als auch um Republikaner, die übereinstimmend erklärten, kein irreguläres Ereignis hätte diese Wahl beeinflusst.

"Menschen verfügen über eine große Fähigkeit, Dinge über Wahlen zu erfinden, die nicht wahr sind", zitiert die "Times" den Republikaner Frank LaRose, Außenminister von Ohio. "Aus einem unerfindlichen Grund sind Wahlen immer ein fruchtbares Pflaster für solche Mythenbildungen."

Das nimmt zum Teil eigenartige Formen an. Während der größte Wahlbezirk in Texas erklärte, dass man eine "sehr glatt laufende Wahl hatte", mit nur wenigen Problemen, setzte der Vizegouverneur von Texas, Dan Patrick, ein Kopfgeld aus: Eine Million Dollar werden als Belohnung für Hinweise auf Wahlbetrug ausgelobt.

79 Prozent glauben an Wahl

Eine Reuters/Ipsos Meinungsumfrage ergab am Dienstag, dass 79 Prozent der Wähler in den USA glauben, dass Biden die Präsidentschaftswahl am 3. November für sich entschieden habe. Eine Amtsübernahme Bidens kann nach Ansicht seiner Rechtsberater auch mit juristischen Mitteln nicht verhindert werden.

13 Prozent der Befragten sagten, dass der Wahlausgang noch offen sei, rund fünf Prozent gaben an, sie wüssten nicht, wer gewonnen habe und drei Prozent gehen davon aus, dass Trump eine zweite Amtszeit bestreiten werde. 60 Prozent glauben an einen friedlichen Machtwechsel, wenn Trumps Amtszeit am 20. Jänner endet. In Bezug auf Trumps Vorwurf der Wahlmanipulation zeigt sich, dass 70 Prozent der Amerikane-darunter 83 Prozent der Demokraten und 59 Prozent der Republikaner - darauf vertrauen, dass die lokalen Wahlmänner "ihre Arbeit ehrlich machen".

Bidens Berater Bob Bauer erinnerte bei einer Pressekonferenz, dass in Georgia, Montana und Pennsylvania bereits mehrere Klagen von Republikanern aus Mangel an stichhaltigen Belegen abgewiesen worden wären.

Auch die Neuauszählung von Stimmen in einzelnen Staaten werde nichts am Wahlsieg für Biden ändern, sagte Bauer. Bei allen bisherigen Neuauszählungen seit 2000 habe es lediglich Veränderungen im Umfang von maximal einigen Hundert Stimmen gegeben. Bidens Vorsprung sei nicht wettzumachen.(wak/reu/dpa)