In Peru sind nach mindestens zwei Todesfällen bei Protesten gegen die Amtsenthebung des bisherigen Präsidenten Martin Vizcarra mehrere Minister der neuen Regierung zurückgetreten. Nach übereinstimmenden Medienberichten legten der Innenminister, die Justizministerin und der Gesundheitsminister in der Nacht auf Sonntag (Ortszeit) ihre Ämter nieder. Der neue Präsident Manuel Merino traf mit seinem Kabinett zusammen.

Am Samstag waren in dem südamerikanischen Land den sechsten Tag in Folge Tausende in mehreren Städten auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen das aus ihrer Sicht undemokratische Vorgehen des Parlaments bei der Absetzung Vizcarras. In der Hauptstadt Lima setzte die Polizei erneut Tränengas und Berichten zufolge auch Gummigeschoße ein.

Die Sozialversicherungsbehörde EsSalud bestätigte in der Nacht, dass zwei Männer im Alter von 24 und ungefähr 25 Jahren durch Schüsse getötet wurden. Es gab auch Verletzte. Vizcarra drückte auf Twitter sein Bedauern aus und schrieb: "Das Land wird nicht erlauben, dass der Tod dieser tapferen jungen Menschen ungestraft bleibt."

Die örtliche Vertretung der Vereinten Nationen und Amnesty International hatten den Einsatzkräften bereits zuvor übermäßige Gewalt gegen friedliche Demonstranten und Journalisten bei Protesten an den vorigen Tagen vorgeworfen. Die Zeitung "El Comercio" berichtete, Polizisten hätten unerlaubt auch mit Glaskugeln geschossen.

Des Amtes enthoben

Vizcarra wurde wegen "dauerhafter moralischer Unfähigkeit" mit einer deutlichen Mehrheit der Abgeordneten am vergangenen Montag vom Parlament des Amtes enthoben. Ihm wird vorgeworfen, als Gouverneur der Region Moquegua zwischen 2011 und 2014 Bestechungsgeld von einer Baufirma in einer Höhe von 2,3 Millionen Sol (etwa 533.000 Euro) angenommen zu haben. Der parteilose 57-Jährige weist dies zurück. Vizcarras Vorgänger, Pedro Pablo Kuczynski, war 2018 wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetreten.

Der konservative Parlamentspräsident Merino trat das Amt des Staats- und Regierungschefs am Dienstag an und stellte ein neues Kabinett zusammen. Im April stehen in dem Andenstaat Präsidenten-und Parlamentswahlen auf dem Programm. (apa/dpa)