In seinem jüngst erschienen Memoiren hat sich der ehemalige US-Präsident Barack Obama ausführlich auch mit Europa befasst. Er betrachtete es als Block und unterstützenden Partner der USA auf der Weltbühne. Diese Fähigkeit sei in hohem Maße von der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich abhängig, schreibt der Vorgänger von Donald Trump in seinem ersten Band mit dem Titel "A Promised Land" - in der zeitgleich veröffentlichten Übersetzung "Ein verheißenes Land". 

"Schwer herumzukriegen"

Vor allem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gewann während seiner Amtszeit (2008-1016) seine Wertschätzung. "Merkels Augen waren groß und strahlend blau, und sie konnten abwechselnd den Ausdruck von Frustration, Belustigung und Andeutungen von Besorgnis annehmen", beobachtete Obama, der 2008 als US-Präsident gewählt, 2012 im Amt bestätigt wurde und 2016 seinem Nachfolger Donald Trump weichen musste. In der "Mitte-Rechts-Partei Christlich Demokratische Union" habe sich Merkel "mit einer Mischung aus organisatorischem Geschick, strategischem Scharfsinn und unerschütterlicher Geduld planmäßig nach oben" gearbeitet.

Sympathie nicht auf den ersten Blick

Je mehr er sie kennengelernt habe, desto sympathischer sei sie ihm geworden, schreibt Obama. "Ich empfand sie als zuverlässig, ehrlich, intellektuell präzise und auf eine natürliche Art freundlich."

Weniger gut als Merkel kommt der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy weg, der von 2007 bis 2012 im Amt war. Die Gespräche mit diesem seien "abwechselnd amüsant oder zum Verzweifeln" gewesen. Und anders als Merkel habe Sarkozy nur begrenzt Englisch gesprochen und deswegen immer einen Dolmetscher an seiner Seite gehabt.

Aber so gut Obama auch bei den europäischen Gesprächspartnern ankam - dies habe nicht bedeutet, dass Merkel oder Sarkozy "leicht herumzukriegen waren". So sei es nach der Finanzkrise von 2008/2009 nicht einfach gewesen, die um die Budgetstabilisierung besorgte Kanzlerin davon zu überzeugen, "sich uns bei der Förderung von direkteren Mitteln zur Bekämpfung der Krise anzuschließen".

Auch "ihr auf Sparsamkeit bedachter Finanzminister Wolfgang Schäuble" hat in den Memoiren seinen Platz erhalten. Bei der Beschreibung der Finanzkrise in Griechenland wird deutlich, wie genau Obama in seinen Einschätzungen auf die jeweilige Situation seiner Partner geachtet hat. So seien Sarkozy und Merkel damals aufgefordert gewesen, "ihre Wählerschaft dafür zu erwärmen, einem Haufen Fremder aus der Patsche zu helfen". Doch Merkel wie Sarkozy seien zu sehr vom Gedanken der europäischen Einheit überzeugt gewesen, um nationale Klischees gelten zu lassen.

Einfluss Merkels auf US-Klimapolitik

Bei Klimaschutzverhandlungen waren die Europäer diejenigen, die die USA drängten, mehr zu tun. Auch hier sah Obama die deutsche Regierungschefin in einer führenden Rolle. Sie habe ruhig ihre Enttäuschung zum Ausdruck gebracht und Obama dann viel Glück in weiteren Gesprächen mit der chinesischen Regierung gewünscht - mit der "Mimik eines Menschen, der es gewohnt ist, unangenehme Dinge in Angriff zu nehmen".

Eindringlich und mit vielen Details schildert Obama einen Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald, im Anschluss an einen Besuch der Frauenkirche in Dresden, zusammen mit dem Überlebenden Elie Wiesel und Merkel. Er beschreibt diesen Besuch als eine "Pilgerreise" für Mitmenschlichkeit, gegen Hass und Intoleranz.

Moralische Impulse prägen auch den Blick Obamas auf das eigene Land, mit der tiefen Hoffnung, Rassismus zu überwinden. So entschieden Obama in seiner Haltung ist, so zurückhaltend ist er bei zu hohen Erwartungen: "Das Amt des Präsidenten verändert deine Zeithorizonte. Nur selten tragen Bemühungen auf Anhieb Früchte." (APA/dpa)