Nach dem Ende der Kämpfe um die Konflktregion Berg-Karabach im Südkaukasus sind in Armenien Verteidigungsminister David Tonojan und weitere Regierungsmitglieder zurückgetreten. Er wolle mit dem Schritt zu einer Beruhigung der Lage beitragen, sagte Tonojan am Freitag in der Hauptstadt Eriwan. Auch die Minister für Zivilschutz und für Bildung nahmen den Hut.

Wie die Präsidentschaft in Eriwan am Freitag mitteilte, übernimmt Wagharschak Harutunjan die Leitung des Verteidigungsministeriums. Der 63-Jährige hatte das Amt bereits von 1999 bis 2000 inne. Zuletzt stand er Regierungschef Nikol Paschinjan als Berater zur Seite.

Neue Proteste gegen Regierungschef Paschinjan

Die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan hatten sich am 9. November nach sechswöchigen schweren Kämpfen auf einen Waffenstillstand in der umstrittenen Kaukasus-Region geeinigt. In Armenien löste das von Russland vermittelte Abkommen jedoch große Empörung aus, tausende Demonstranten gingen auf die Straße und beschimpften Paschinjan als "Verräter". Am Freitag blockierten in Eriwan erneut Protestierende mehrere Hauptstraßen und forderten Paschinjans Rücktritt.

Der abgesetzte Verteidigungsminister Dawid Tonojan erklärte, er hoffe, dass sein "Rücktritt" dazu beitragen werde, die Spannungen im Land zu beruhigen. Paschinjan selbst lehnt einen Rücktritt ab. Am Montag hatte er bereits den Außenminister entlassen.

Das Waffenstillstandsabkommen sieht vor, dass beide Konfliktparteien jene Gebiete in Berg-Karabach behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben - für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste.

Die mehrheitlich von Armeniers bewohnte Region Berg-Karabach ist seit Jahrzehnten zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan umkämpft. In dem neuen Krieg, der am 27. September begonnen hatte, holte sich das islamisch geprägte Aserbaidschan weite Teile des Anfang der 1990er verlorenen Gebiets zurück. Das Land sah sich dabei von seinem "Bruderstaat" Türkei unterstützt. Russland hingegen gilt als Schutzmacht Armeniens. Die selbsternannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. (APA/Afp/dpa)