Der UNO-Sicherheitsrat hat am Dienstag ein erstes Treffen zu den Kämpfen in der äthiopischen Region Tigray ohne eine gemeinsame Erklärung beendet. Südafrika habe um mehr Zeit für die Bemühungen der Afrikanischen Union gebeten und "eine Erklärung könnte die Situation komplizierter machen", sagte ein afrikanischer UNO-Diplomat.

UNO-Sprecher Stéphane Dujarric betonte, dass die Afrikanische Union an erster Stelle der internationalen Bemühungen stehe und der UNO-Generalsekretär diesen Ansatz unterstütze.

Vertreter europäischer Staaten hätten "ihre Besorgnis geäußert, die ethnische Gewalt verurteilt und Schutz für die Zivilbevölkerung geforderte", sagte ein europäischer UNO-Diplomat nach dem Treffen. Die afrikanischen Länder würden sich "afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme" wünschen. "Das müssen wir respektieren, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt", sagte der Diplomat. Die Afrikanische Union hatte am Freitag die Ernennung dreier ehemaliger Präsidenten als Sondergesandte und Vermittler in dem Konflikt bekannt gegeben.

Sitzung nach eineinhalb Stunden beendet

Die virtuelle Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit dauerte eine Stunde und zwanzig Minuten. Sie war auf Antrag der europäischen Sicherheitsratsmitglieder Belgien, Deutschland, Frankreich, Estland und Großbritanniens sowie der USA einberufen worden.

Regierungschef Abiy Ahmed, der vergangenes Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ignorierte bisher weitgehend die internationalen Appelle zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes. Auch ließ die Regierung in Addis Abeba bisher keine Vermittler in dem Konflikt zu. Am Montag erklärte sie sich lediglich bereit, "aus Respekt" drei Vermittler treffen zu wollen, welche die Afrikanische Union (AU) ernannt hatte.

Der seit Monaten schwelende Konflikt in der nordäthiopischen Region Tigray war Anfang November eskaliert, als die Zentralregierung Panzer und Kampfflugzeuge in die Region geschickt hatte. Hunderte Menschen sollen bisher getötet worden sein, mehr als 40.000 Menschen sind in den benachbarten Sudan geflüchtet.

Kurz vor Ablauf eines Ultimatums der äthiopischen Regierung an die in Tigray regierende aufständische Volksbefreiungsfront TPLF zeichnete sich am Dienstagabend keine Entspannung ab. (apa/afp)