Im Äthiopien-Konflikt hat Ministerpräsident Abiy Achmed die "finale Phase" der seit drei Wochen dauernden Offensive gegen die nördliche Region Tigray angekündigt. Das Militär werde bald damit beginnen, da das der in Tigray regierenden Volksbefreiungsfront TPLF am Sonntag gestellte Ultimatum abgelaufen sei, schrieb Abiy am Donnerstag auf Twitter.

Die Zentralregierung in Addis Abeba hatte der TPLF 72 Stunden Zeit gegeben, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Sonst werde die Regionalhauptstadt Mekelle, in der 500.000 Menschen leben, angegriffen. Eine Stellungnahme der TPLF-Streitkräfte war zunächst nicht zu erhalten.

"Die 72-Stunden-Frist, die der kriminellen TPLF-Clique zur friedlichen Kapitulation eingeräumt wurde, ist nun abgelaufen, und unsere Strafverfolgungskampagne hat ihre letzte Phase erreicht", schrieb Abiy auf Twitter. "Der letzte friedliche Ausweg, der der TPLF-Clique offengehalten wurde, ist nun verschlossen." Er forderte die Bevölkerung in Mekelle auf, sich zu entwaffnen, zu Hause zu bleiben und sich von militärischen Zielen fernzuhalten. Das Militär werde dafür sorgen, dass unschuldige Zivilisten, Kultureinrichtungen, Kultstätten, Entwicklungseinrichtungen und Eigentum nicht geschädigt würden.

Tausende getötet, Zehntausende auf der Flucht

Eine unabhängige Überprüfung der Angaben beider Seiten ist nicht möglich, da die Telefon- und Internetverbindungen in Tigray unterbrochen sind und der Zugang in die Region strikt überwacht wird. Auslöser der Kämpfe ist nach Darstellung der Regierung in Addis Abeba ein bewaffneter Angriff von TPLF-Kräften auf in Tigray stationierte Regierungstruppen. Abiy wirft der TPLF vor, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben, und hat die Luftwaffe und Bodentruppen in die Region beordert. Die in Tigray regierende Partei TPLF hält Abiy vor, er verfolge sie und vertreibe ihre Politiker von Regierungs- und Sicherheitsposten. Seit Beginn der Kämpfe am 4. November wurden Tausende Menschen getötet, mehr als 40.000 flohen in den Sudan.

In dem Konflikt spielen ethnische Gruppen eine große Rolle. Äthiopien, eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen, wurde jahrzehntelang von Tigray dominiert, bis Abiy vor zwei Jahren Ministerpräsident wurde. Der Friedensnobelpreisträger von 2019 gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an und hat auch familiäre Wurzeln in Amhara, einer Nachbarregion von Tigray. (reuters)