Nach mehr als drei Wochen erbitterter Kämpfe hat die Regierung Äthiopiens ihre Offensive in der Region Tigray nach eigenen Angaben beendet. "Die Föderalregierung beherrscht nun die Stadt Mekelle komplett", sagte Ministerpräsident Abiy Ahmed am Samstag über die Hauptstadt der Region Tigray.

Der Militäreinsatz sei mit größter Präzision erfolgt und habe sichergestellt, dass Zivilisten nicht zum Ziel geworden seien, hieß es. Die TPLF äußerte sich zunächst nicht zu der Verkündung. Doch Experten mahnten am Sonntag, dass das Ende der Offensive nicht unbedingt das Ende des Konflikts bedeute.

 "Uns ist es gelungen, in Mekele einzudringen, ohne dabei Zivilisten anzugreifen", zeigte sich Ministerpräsident Abiy Ahmed bereits  am Samstag nach Angaben des TV-Senders EBC siegessicher. Die Streitkräfte hatten zuvor eine Offensive auf die 500.000-Einwohner-Stadt gestartet.

Mekele wurde nach Angaben von Entwicklungshelfern  von "schweren Geschossen" getroffen. Nach Angaben der Regionalregierung wurde das Stadtzentrum mit "schweren Waffen und Artillerie" angegriffen. Zu den Zielen zählten demnach auch Zivilisten und Infrastruktur.

Die Überprüfung von Aussagen der Konfliktparteien ist schwierig, da die Region seit Beginn der Unruhen praktisch von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Abiy hatte die Offensive am Donnerstag angekündigt. Er habe die Armee angewiesen, "die dritte und letzte Phase" im Vorgehen gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF einzuleiten.

Mehrere tausend Tote

In Tigray gibt es bereits seit Monaten Spannungen. Die dort regierende TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die äthiopische Politik, bevor Abiy 2018 an die Macht kam. Die TPLF erkennt den Regierungschef nicht an, der im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war.

Anfang des Monats sandte Abiy Streitkräfte nach Tigray, wodurch der Konflikt mit der TPLF vollends entbrannte. Mehrere tausend Menschen wurden nach Schätzungen der auf Konflikte spezialisierten International Crisis Group (ICG) bei den Kämpfen in Äthiopien bisher getötet. Mehr als 43.000 Menschen flohen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in den benachbarten Sudan. Beobachter befürchten, dass sich die Gefechte ausweiten und die ganze Region destabilisieren könnten.