Wien. Emer Cooke ist Chefin der European Medicines Agency - kurz EMA. Auf Cooke und ihre Beamten kommen entscheidende Wochen zu. Denn die EU-Behörde mit Sitz in Amsterdam wird schon bald über die Zulassung und damit die Verfügbarkeit der Covid-Impfstoffe in der EU urteilen. In einem Interview mit der Wirtschafts-Nachrichtenagentur "Bloomberg" sprach Cooke im November über die Herausforderungen, die auf die Behörde warten: "Positive Ergebnisse (die zuletzt von den Pharmafirmen kamen, Anm.) bedeuten nicht, dass es nicht notwendig sein wird, neue Impfstoffe genau zu überprüfen - vor allem die ersten Impfstoffe, die auf den Markt kommen. Wir haben nämlich noch nie zuvor mRNA-Impfstoffe eingesetzt und wenn derartige Impfstoffe weite Anwendung finden, dann will man absolute Klarheit über die Sicherheit haben."

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Cooke ist die erste Frau in der 25-jährigen Geschichte der EMA und die irischstämmige Spitzenbeamtin hat die Behörde zu einem kritischen Zeitpunkt übernommen:

Vier Zulassungsanträge für Covid-19-Vakzine liegen auf dem Schreibtisch der EMA-Chefin. Davon beziehen sich zwei Anträge auf sogenannte mRNA-Impfstoffe: ein Antrag von BioNtech/Pfizer - Großbritannien hat bereits die Zulassung erteilt - und ein Zulassungsantrag von Moderna/Biotech Spain S.L.

Entscheidung am 29.12.?

Zwei weitere Anträge betreffen herkömmliche Vektorimpfstoffe: einer von Jannsen-Cilag International N.V (gehört zu Johnson & Johnson). und ein weiterer von AstraZeneca und der Universität Oxford.

BioNtech und Pfizer haben den Zulassungs-Antrag bei der EMA am Dienstag eingereicht. Sollte die EMA grünes Licht geben, dann könnte die Zulassung noch vor Jahresende erfolgen. Bis spätestens 29. Dezember will die EMA das Ergebnis der Prüfung vorlegen, teilte die Agentur am Dienstag mit. Die EU hat bereits vor einiger Zeit einen Rahmenvertrag über den Kauf von bis zu 300 Millionen Dosen des Impfstoffs abgeschlossen. Bis zum 12. Jänner 2021 will die EMA außerdem über den Covid-19-Impfstoff des US-Biotechkonzerns Moderna entscheiden, der ebenfalls am 1. Dezember 2020 einen Zulassungs-Antrag eingereicht hat.

Die Entscheidungen der EMA haben Konsequenzen für alle EU-Länder - und damit auch für Österreich, wie der Sonderbeauftragte des österreichischen Gesundheitsministeriums und Co-Vorsitzende der Einkaufsgemeinschaft der 27 EU-Staaten, Clemens Auer, in einer Stellungnahme an die APA betont: "Für die Zulassung in der EU ist die Europäische Arzneimittelagentur EMA zuständig."

"Impfung ab Jänner"

Die EMA gehe bei der Sichtung und Bewertung der Unterlagen sorgfältig vor und es bestehe kein Grund, die Zulassungsbehörde unter Druck zu setzen. "Wir sind in Österreich jedenfalls bereit, im Jänner in den Alten- und Pflegeheimen mit den BewohnerInnen sowie deren Pflegepersonal sowie und in den Krankenanstalten mit dem Gesundheitspersonal mit der Ausrollung der ersten Impfungen zu beginnen", teilte Auer der APA mit.

Der Verband der pharmazeutischen Industrie in Österreich - Pharmig - hat am Mittwoch in einer Aussendung mitgeteilt, dass für die Versorgung der EU-Bürgerinnen und Bürger Vorverträge über 1,4 Milliarden Impfstoffdosen durch die EU-Kommission abgeschlossen wurden.

"Diese Mengen teilen sich zwar auf insgesamt bisher sechs Impfstoffhersteller auf. Doch selbst das sind für jedes einzelne Unternehmen große Produktionsmengen, die zusätzlich zur Produktion der anderen Impfstoffe im Portfolio dazukommen. Also ist auch hier die Kooperation rund um den Globus von großer Bedeutung. Sobald die Zulassung erfolgt, werden die letzten Qualitätschecks absolviert. Nur wenn diese problemlos und positiv verlaufen, kann der Impfstoff auch zur Auslieferung gelangen. Es muss uns bewusst sein, dass es einige Zeit in Anspruch nimmt, um tatsächlich den weltweiten Bedarf decken zu können", so Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog.