Washington. Der frühere General Lloyd Austin soll laut mehreren Medienberichten unter dem künftigen US-Präsidenten Joe Biden Verteidigungsminister werden. Der 67-jährige Irak-Veteran wäre damit der erste afroamerikanische Pentagon-Chef in der Geschichte der USA. Offiziell bekannt geben will Biden die Personalie aber erst am Freitag.

Die Ernennung zum Verteidigungsminister stellt die Krönung in Austins langer Militärkarriere dar. Der Absolvent der renommierten Militärakademie West Point diente im Irak und in Afghanistan und war 2003 in führender Position am Einmarsch der US-Truppen in Bagdad beteiligt.

Unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama wurde er 2010 zum Chef des US-Zentralkommandos CENTCOM ernannt, als dieser war er für den Kampf der USA gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich. Auch auf diesem Posten war er der erste Afroamerikaner. 2016 ging Austin in den Ruhestand und zog in den Verwaltungsrat des Rüstungskonzerns Raytheon - einem der Hauptauftragnehmer des Pentagon - ein.

Als Verteidigungsminister wäre Austin für die 1,2 Millionen aktiven US-Soldaten verantwortlich, von denen rund 16 Prozent Schwarze sind. Afroamerikaner sind in der US-Armee überproportional in den niederen Rängen vertreten. Struktureller Rassismus in der Armee ist auch ein Thema der Black-Lives-Matter-Bewegung.

Sondergenehmigung erforderlich

Der Ex-General muss wie die anderen Kandidaten für das Kabinett des künftigen Präsidenten noch vom Senat bestätigt werden. Im Fall von Austin würde es allerdings nicht nur eine Bestätigung des Senats brauchen, sondern auch eine Ausnahmegenehmigung durch den Kongress. Denn nach den geltenden Regeln müssen zwischen dem aktiven Militärdienst und einer Berufung zum Verteidigungsminister nämlich mindestens sieben Jahre liegen. Hintergrund ist, dass das Pentagon von einem Zivilisten geführt werden soll.

Eine solche Ausnahmegenehmigung hatte es 2016 allerdings auch schon für Jim Mattis bei seiner Ernennung zum Verteidigungsminister gegeben. Mehrere Senatoren betonten damals , dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen sollte.

Biden hatte die Präsidentschaftswahl vom 3. November gegen Trump gewonnen. Der frühere Vizepräsident bereitet seit Wochen die Übernahme der Amtsgeschäfte vor, obwohl Trump seine Wahlniederlage nach wie vor nicht eingesteht.

Biden hat angekündigt, eine erfahrene Regierungsmannschaft zusammenzustellen, welche die Vielfalt der US-Bevölkerung widerspiegele. Er setzt dabei auf langjährige Weggefährten wie seinen Vertrauten Anthony Blinken, der Außenminister werden soll.