Wegen des Einsatzes des russischen Raketenabwehrsystems S-400 verhängen die USA Sanktionen gegen den NATO-Bündnispartner Türkei. Das teilte US-Außenminister Mike Pompeo am Montag mit. Konkret werden alle Rüstungsgeschäfte mit der Türkei gestoppt, weil die staatliche Rüstungsagentur (SSB) keinerlei US-Lizenzen mehr bekommt.

Außerdem werden Visarestriktionen gegen SSB-Chef Ismail Demir und drei weitere Mitarbeiter der Rüstungsagentur verhängt, hieß es. Pompeo betonte zugleich, dass die Türkei ein "geschätzter Verbündeter" der USA und wichtiger Sicherheitspartner in der Region sei und man sich eine Fortsetzung der Kooperation im Verteidigungssektor wünsche.

Das wird sich weisen. Denn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte schon im Vorfeld die US-Sanktionen kritisiert. Eine Konfrontation mit Sanktionen sei "eine Respektlosigkeit gegenüber einem ihrer sehr wichtigen NATO-Partner", sagte Erdogan laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag.

Nun teilte das türkische Außenministerium in einer ersten Stellungnahme mit, die Türkei werde in angemessener Weise und Zeit die nötigen Schritte gegen diese "ungerechte" Entscheidung unternehmen.

Es sei ein Vorgehen "ohne jede Vernunft", dass sich die USA geweigert hätten, das Problem mit Diplomatie zu lösen und stattdessen Sanktionen zu verhängen, hieß es weiter.

Türkei argumentierte mit Bedrohungen aus Syrien

Die Türkei hat das Raketenabwehrsystem von Russland im Sommer vergangenen Jahres erworben. Die USA schlossen den NATO-Partner Türkei deswegen bereits aus dem F-35-Kampfjetprogramm aus und drohten mit Sanktionen. Im Oktober hatte die Türkei das System S-400 erstmals unter Einsatzbedingungen getestet. Der Einsatz sei nicht mit den Verpflichtungen der Türkei als NATO-Partner vereinbar, erklärte ein Pentagon-Sprecher damals.

Die Türkei argumentiert, sie brauche eine eigene Raketenabwehr gegen Bedrohungen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien, aber auch aus dem Inland. Nach ihrer Darstellung hat sie von Bündnispartnern kein vernünftiges Alternativangebot bekommen.

Die S-400 ist ein mobiles Luftabwehrsystem, das Flugzeuge und andere Objekte vom Himmel holen kann. Die Einheiten, die üblicherweise aus mehreren Raketen, einem Radar und einem Gefechtsstand bestehen, können per Lastwagen transportiert werden. Die S-400 kann mit Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen arbeiten. (apa,dpa,reuters)