In dem von Terror heimgesuchten westafrikanischen Land Niger haben Bewaffnete eine Woche nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen mindestens 50 Menschen getötet und mehr als 20 weitere verletzt. Das gab Innenminister Alkache Alhada am Samstagabend in der Hauptstadt Niamey bekannt. Sicherheitskreise berichteten von mindestens 70 Toten. Die genauen Umstände der Attacke waren zunächst unklar.

Der Überfall ereignete sich nahe der Grenze zu Mali in den Dörfern Tchombangou und Zaroumdareye. Im Niger und den anderen Ländern dieser Region sind etliche Terrorgruppen aktiv, die Al-Kaida oder dem Islamischen Staat (IS) die Treue geschworen haben. Zusammen mit Mali, Mauretanien, dem Tschad und Burkina Faso ist der Niger Teil der G5-Sahel-Gruppe, die Terrorgruppen bekämpfen will. Die Regierung hat zudem in den wüstenhaften Weiten außerhalb der Städte wenig Kontrolle, was nicht nur dschihadistische Gruppen, sondern auch kriminelle Netzwerke ausnutzen.

Präsidenten-Stichwahl im Februar

Am Tag des Anschlags wurden in dem Sahelstaat die vorläufigen Ergebnisse der Präsidenten- und Parlamentswahlen bekanntgegeben. Die Hoffnung, dass der Urnengang vom vergangenen Sonntag den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Staates einleiten könnten, dürften sich nicht erfüllt haben. Der ehemalige Außenminister Mohamed Bazoum, der für die Regierungspartei PNDS antrat und ein enger Gefolgsmann des scheidenden Präsidenten Mahamadou Issoufou ist, erhielt 39,6 Prozent der Stimmen. Sein stärkster Herausforderer, Oppositionskandidat Mahamane Ousmane kam hingegen nur auf 16,9 Prozent. Da Bazoum die absolute Stimmenmehrheit verfehlte, wird am 22. Februar eine Stichwahl abgehalten. Beobachter halten es aber für unwahrscheinlöich, dass Ousmane den zweiten Durchgang für sich entscheidet. Staatchef Issoufou durfte nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren

Der Niger ist eins der wichtigsten Transitländer für afrikanische Migranten, die das Mittelmeer erreichen wollen. In den vergangenen Jahren hatte Europa Druck auf die nigrische Regierung ausgeübt, den Menschenschmuggel einzudämmen. Zudem gilt Niger als wichtiger Partner der EU im Kampf gegen Terrorismus in der Sahelzone. Frankreich hat 5000 Soldaten vor Ort. 

Dennoch kommt es immer wieder zu Gewaltakten. Im September bekannte sich der IS zu einem Angriff auf eine Gruppe von Franzosen und deren einheimische Begleiter. Bewaffneten Angreifer hatten im Vormonat die sechs Franzosen, ihren einheimischen Fahrer und ihren Reiseführer in der Nähe der Stadt Koure getötet, als diese ein Reservat besuchten, in dem die letzten Herden westafrikanischer Giraffen leben. Die sechs Franzosen hatten für eine Hilfsorganisationen in Niger gearbeitet. (apa/afp)