Der Iran baut seine umstrittene Uran-Anreicherung nach eigenen Angaben weiter aus. In der unterirdischen Anlage in Fordo werde der radioaktive Stoff ab sofort bis zu einem Grad von 20 Prozent angereichert, teilte die Teheraner Führung am Montag laut staatlichen Medien mit. Bereits vor einigen Tagen hatte der Iran gegenüber der UN-Atomaufsicht IAEA den Schritt angekündigt, mit dem das Land gegen das internationale Atomabkommen verstößt. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wollte ihre Mitglieder noch am Montag über die jüngste Entwicklung informieren. Uran kann je nach Anreicherungsgrad für Atomkraftwerke oder Nuklearwaffen verwendet werden.

Das Atomabkommen von 2015 sieht vor, dass der Iran Uran bis maximal 3,67 Prozent anreichern darf. Nachdem US-Präsident Donald Trump 2018 das Abkommen jedoch - auch gegen den Willen der europäischen Vertragspartner - einseitig aufgekündigt hatte, begann der Iran ab 2019, seine Zusagen schrittweise zurückzuschrauben und Uran auf bislang 4,5 Prozent anzureichern. Waffentaugliches Uran muss bis auf 90 Prozent angereichert sein. Vor Abschluss des Atomabkommens hatte es der Iran bis auf 20 Prozent geschafft. Ziel der Vereinbarung ist es zu verhindern, dass der Iran an Kernwaffen gelangt. Das Land hat Vorwürfe stets zurückgewiesen, wonach es heimlich nach Atomwaffen strebe.

Diese Anschuldigung wiederholte Israel am Montag unmittelbar nach Bekanntwerden der neuen Stufe bei der Uran-Anreicherung. Die Entscheidung des Iran könne nur erklärt werden als der Versuch, ein militärisches Nuklearprogramm aufzubauen, ließ Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mitteilen. "Israel wird es dem Iran nicht erlauben, nukleare Waffen zu produzieren."

Tod eines Atomwissenschaftlers

Die Teheraner Regierung macht Israel dafür verantwortlich, dass unlängst Irans führender Atomwissenschaftler bei einem Attentat getötet wurde. Als Reaktion auf den Tod des Forschers verabschiedete das iranische Parlament im Dezember ein Gesetzespaket, in dem auch die nun ausgeweitete Uran-Anreicherung festgeschrieben ist.

Derartige Schritte der Islamischen Republik dürften es dem designierten US-Präsidenten Joe Biden erschweren, die USA ins Atomabkommen zurückzuführen. Mit dem Pakt wurden Sanktionen gegen den Iran aufgehoben, der sich im Gegenzug zu einer Begrenzung seiner Nuklearaktivitäten verpflichtete. Nach dem Rückzug der USA aus dem Abkommen wurden die Strafmaßnahmen wieder in Kraft gesetzt. Trump begründete die Abkehr von der Übereinkunft damit, dass die Zugeständnisse des Iran nicht weit genug gingen. Sowohl US-Geheimdienste als auch die UN-Atomaufsicht IAEA gehen davon aus, dass der Iran bis 2003 an einem geheimen Nuklearwaffenprogramm gearbeitet hat. (reuters)