Bei den Senats-Stichwahlen im US-Bundesstaat Georgia hat sich nach Raphael Warnock auch der zweite Kandidat der Demokraten, Jon Ossoff, durchgesetzt. Damit erobert die Partei des  künftigen US-Präsidenten Joe Biden de facto die Mehrheit im Senat. Die Demokraten dominieren bereits das Abgeordnetenhaus, die andere Kongresskammer.

Die zweite Stichwahl war allerdings eine Zitterpartie.  Mittwochfrüh lag  Ossoff nach Auszählung von 98 Prozent der Stimmen nur minimal vor dem republikanischen Amtsinhaber David Perdue. Nach Angaben des Datenanbieters Edison Research betrug der Vorsprung des 33-jährigen Dokumentarfilmmachers gerade einmal 16.370 Stimmen - oder 0,4 Prozentpunkte. Im Laufe des Tages wurde der Vorsprung des demokratischen Kandidaten allerdings sukzessive größer, nachdem gegen Ende hin vor allem Stimmen aus demokratisch geprägten Bezirken in Georgia ausgezählt wurden. Zum Schluss lag Ossoff allerdings mit 0,6 Prozentpunkten voran, womit der unterlegene Perdue auch keine Möglichkeit mehr hat, eine nochmalige Auszählungen zu verlangen.

Warnock bedankte sich bereits kurz vor den Siegesmeldungen der US-Medien bei den Wählern. "Ich fühle mich geehrt durch das Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben. Und ich verspreche Ihnen heute Abend: Ich werde in den Senat gehen, um für ganz Georgia zu arbeiten. Egal, für wen Sie bei dieser Wahl, in diesem Moment der amerikanischen Geschichte Ihre Stimme abgegeben haben."

Nicht nur in Georgia wartete man gespannt auf das Ergebnis. - © APAweb/ AFP / Getty Images / Megan Varner
Nicht nur in Georgia wartete man gespannt auf das Ergebnis. - © APAweb/ AFP / Getty Images / Megan Varner

Den Republikanern des abgewählten Präsidenten Donald Trump hätte ein weiterer Sitz gereicht, um die Mehrheit in der Parlamentskammer knapp zu behalten. Die Demokraten mussten dagegen beide Sitze erobern, um de facto die Kontrolle zu erlangen. Bei einem Patt in der Kammer kann nämlich die künftige US-Vizepräsidentin Kamala Harris - die zugleich Präsidentin des Senats sein wird - mit ihrer Stimme eine Entscheidung herbeiführen.

Der Senat bestätigt unter anderem Kandidaten des Präsidenten für hohe Regierungsposten oder das Oberste Gericht und kann Gesetzesvorhaben blockieren. Der künftige Präsident Biden kann nun seine Ziele erheblich leichter verwirklichen, da die Demokraten nun nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat eine Mehrheit haben. Biden soll am 20. Jänner vereidigt werden.