Die Angelobung eines Präsidenten wird schon so oder so als Hochsicherheitsrisiko eingestuft. Doch mit dem Sturm auf das Kapitol vergangene Woche haben die Befürchtungen für die Angelobung von Joe Biden kommende Woche noch zugenommen.

Schon beim Sturm auf das Kapitol sind einige der Trump-Anhänger als Zeichen von Protest auf die Gerüste geklettert, die schon in Vorbereitung auf die Inauguration Bidens aufgestellt worden waren.

Tausende Trump-Anhänger sind am 6. Jänner nach Washington zum Kongress geströmt, mindestens hunderte von ihnen haben das Parlamentsgebäude gestürmt. Aber es sind erst dutzende von ihnen in U-Haft genommen worden.

Da liegt die Befürchtung auf der Hand, dass für die Inauguration noch genug Potenzial für die Mobilisierung von Protesten vorhanden ist. Dass die nicht unbedingt friedlich ablaufen, zeigt spätestens der Fund von zwei Rohrbomben in Washington, die offenbar vom Sturm auf das Kapitol ablenken hätten sollen. Bei diversen Trump-Anhängern wurden zudem Waffen und Munition gefunden.

Ermittlungen gegen Polizisten

Erwähnenswert ist, dass bisher zwei Polizisten der Kapitol-Wacheinheit suspendiert worden sind - einer hat ein Selfie mit dem Mob gemacht, einer trug eine "Make America Great Again"-Kappe und half den Eindringlingen beim Zurechtfinden im Gebäude. Mindestens gegen zehn weitere Polizisten läuft eine Untersuchung. Einer der fünf Toten des 6. Jänner ist ein Polizist, der von den Terroristen tödlich verletzt worden war, die anderen waren Trump-Anhänger. Eine wurde von einem Polizisten während des Sturms auf das Kapitol erschossen, zwei erlitten vor dem Gebäude einen Herzinfarkt beziehungsweise einen Schlaganfall. Der fünfte Todesfall ist noch nicht abschließend geklärt, die Trump-Anhängerin dürfte wahrscheinlich im Gebäude zu Tode getrampelt worden sein.

Das FBI hat nun explizit vor bewaffneten Demonstrationen zur Inauguration gewarnt - beginnend mit dem Wochenende und kulminierend mit Mittwoch, dem Tag der Angelobung.

Die Nationalgarde hat schon 15.000 Soldaten für die Angelobung abgestellt.

Laut Sicherheitsexperten diskutieren die rechten Extremisten bereits einen Angriff, ähnlich dem vom 6. Jänner. Laut "New York Times" waren bereits am Sonntag knapp 400 Personen einer privaten Online-Gruppe namens "Million Militia March" beigetreten, um sich für den 20. Jänner zu organisieren.

Auf der Social-Media-Seite Parler wurde diskutiert, was man den am besten mitbringt für diesen Event. Etwa Baseball-Schläger, Schutzbekleidung und Sturmgewehre. "Wir haben das Gebäude schon einmal eingenommen. Wir können es wieder tun", schrieb ein Nutzer.

Trump zeigt sich uneinsichtig

Aber auch der 17. Jänner wird bereits als Tag des Aufstandes diskutiert. Auf Parler und in den Chatgruppen von WhatsApp und Signal wurde zum "bewaffneten Marsch" auf alle Parlamente der Bundesstaaten an diesem Tag aufgerufen. Eine Person auf der Social-Media-Seite Gab fragte: "Ich würde gerne kommen, aber ich möchte wissen, ob unser Präsident uns da haben möchte? Erwarte Instruktionen."

Mit ihrem Präsidenten meinen die Personen den scheidenden Amtsinhaber Donald Trump. Dessen Wünsche sind aber bekanntlich derzeit quasi stummgeschalten, nachdem Twitter und Facebook sein Konto gesperrt haben. Trump verteidigte am Dienstag seine Rede, die zum Sturm auf das Kapitol geführt hatte ("Gehen wir alle zum Kapitol . . ."): "Was ich gesagt habe, war komplett angebracht." Immerhin erklärte Trump auch, er möchte keine Gewalt, er erklärte aber, dass die Diskussion um seine Amtsenthebung für sehr viel Wut sorge.

Sollte bis Mittwoch weder der 25. Verfassungszusatz aktiviert werden noch Trump selbst zurückgetreten sein, wollen die US-Demokraten über die Amtsenthebung abstimmen lassen.(wak)