Es ist die erste Reise ins nicht-europäische Ausland seit fast einem Jahr: Außenminister Alexander Schallenberg besucht am Donnerstag und Freitag Äthiopien. Neben Gesprächen mit Präsidentin Sahle-Work Zewde und Vize-Premierminister und Außenminister Demeke Mekonnen sind auch Treffen mit Hilfsorganisationen und der Besuch eines Flüchtlingscamps geplant. Wegen des Konflikts in der Region Tigray ist die humanitäre Lage in dem ostafrikanischen Land äußerst angespannt.

Der Konflikt in der nördlich gelegenen Region war Anfang November eskaliert, als die Zentralregierung in Addis Abeba einen Militäreinsatz gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (Tigray People’s Liberation Front/TPLF) startete, die nicht nur in Tigray an der Macht war, sondern auch die Regierung des gesamten Landes jahrelang dominierte. Zwar erklärte die Regierung von Premier Abiy Ahmed den Einsatz Ende November für beendet und setzte eine Übergangsregierung für Tigray ein. Die im Guerillakrieg erfahrene TPLF räumte allerdings keine Niederlage ein, somit gibt es weiterhin Kämpfe - wenn auch nicht mehr so großflächig.

2,2 Millionen Flüchtlinge

Nach Angaben der äthiopischen Regierung sind seit Ausbruch der Unruhen vor zwei Monaten 2,2 Millionen Menschen vertrieben worden, viele innerhalb der Region, Tausende flüchteten in den benachbarten Sudan. Mehr als 4,5 Millionen Menschen sind laut aktuellen Untersuchungen von Regierung und internationalen Hilfsorganisationen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Schallenberg werde seine Gespräche mit dem äthiopischen Vize-Premier und der Präsidentin nutzen, um eindringlich für einen sofortigen ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfsorganisationen zu appellieren, hieß es im Vorfeld aus dem Außenministerium. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Hilfsorganisationen ihre dringend benötigte Arbeit leisten können", so Schallenberg. Ähnliche Appelle an die äthiopische Regierung gab es in den vergangenen Wochen immer wieder - zuletzt am Wochenende seitens des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Rund um Weihnachten und Neujahr war es internationalen Helfern zwar möglich, in einige Gebiete zu reisen, allerdings sei der Zugang zu den meisten Teilen des Nordwestens, Ostens und Zentrums Tigrays wegen der "andauernden Unsicherheit und bürokratischen Hürden" noch immer eingeschränkt, teilte die UNO kürzlich mit.

Neben dem World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen will Schallenberg in der Hauptstadt Addis Abeba auch Vertreter anderer humanitärer Organisationen und NGOs im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit treffen. Am Freitag steht der Besuch eines Camps für Binnenvertriebene (Internally Displaced People/IDPs) in der neben Tigray gelegenen Region Afar auf der Agenda.

80 Zivilisten getötet

Unterdessen sind bei einem Angriff an der äthiopisch-sudanesischen Grenze nach Angaben einer amtlichen Menschenrechtsorganisation am Dienstag mehr als 80 Zivilisten getötet worden. Der Vorfall habe sich in der Region Benishangul-Gumuz an der Grenze zum Sudan ereignet, teilte die von der Regierung eingesetzte Äthiopische Menschenrechtskommission am Mittwoch mit. Zu den Verantwortlichen für die Tat wurde nichts gesagt. In dem Gebiet waren vergangenen Monat mehr als 220 Menschen getötet worden.