In der irakischen Hauptstadt Bagdad haben zwei Attentäter mitten auf einem belebten Markt Selbstmordanschläge verübt. Mindestens 32 Menschen seien getötet und mehr als 110 verletzt worden, teilten die Behörden am Donnerstag mit. Möglicherweise seien Extremisten des Islamischen Staates dafür verantwortlich, sagte der Generalmajor Kadhim Salman von der Zivilverteidigung vor Reportern. Dies könnte ein Zeichen für ein Wiederaufleben der radikal-islamischen IS-Miliz sein. Es war das erste Attentat dieser Art seit Jahren.

Die beiden Attentäter hätten Sprengstoffwesten getragen und diese mitten unter Käufern und Händlern auf dem Markt auf dem Tajaran-Platz gezündet, erklärte das Militär. Einer der Attentäter sei gekommen, zu Boden gefallen und habe gerufen, sein Bauch tue ihm weh, berichtete ein Straßenhändler. "Und er hat den Zünder in seiner Hand gedrückt. Sofort gab es eine Explosion. Menschen wurden in Stücke gerissen." Im Internet verbreitete Videoaufnahmen zeigten eine zweite Explosion auf dem Markt. Danach waren Blutlachen und verstreute Schuhe zu sehen.

Einsatzkräfte am Tatort. - © afp, Sabah Arar
Einsatzkräfte am Tatort. - © afp, Sabah Arar

Letzter Anschlag vor drei Jahren

Ministerpräsident Mustafa al-Kadhimi hielt nach Angaben seines Büros eine Dringlichkeitssitzung mit seinem Kabinett und den führenden Kommandeuren der Sicherheitskräfte ab. Seit die radikal-islamische IS-Miliz in dem Land 2017 vom irakischen Militär und einer von den USA unterstützten Koalition besiegt wurde, sind die früher fast täglichen Anschläge im Irak selten geworden. Den bislang letzten gab es im Jänner 2018, ebenfalls auf dem Tajaran-Platz. Damals wurden fast 30 Menschen getötet.

Der sogenannte Islamische Staat (IS) hatte 2014 weite Teile des Iraks und des Nachbarlandes Syrien unter seine Kontrolle gebracht. Über die Staatsgrenzen hinweg rief ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi ein Kalifat aus - mit sich selbst an der Spitze. In Syrien wurde der IS im März 2019 besiegt. Dennoch gab es die Besorgnis, versprengte IS-Kämpfer könnten sich sammeln und sogenannte Schläfer-Zellen bilden, um später Attentate zu verüben. Im Oktober 2019 gab der damalige US-Präsident Donald Trump den Tod Bagdadis bekannt. Er habe sich bei einem Einsatz von US-Spezialkräften im Nordwesten Syriens das Leben genommen. (reuters)